Kriege und Unterdrückung haben dazu geführt, dass deutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen immer mehr Geld für Schutz suchende Forscher bei der Alexander von Humboldt-Stiftung beantragen. «Der Bedarf hat sich seit der Machtübernahme der Taliban 2021 in Afghanistan extrem verstärkt und seit der russischen Invasion in die Ukraine gigantische Ausmaße angenommen», sagte Stiftungsmitarbeiter Frank Albrecht der Deutschen Presse-Agentur. Albrecht leitet das Referat «Philipp Schwartz-Initiative und Wissenschaftsfreiheit». Die Initiative vergibt seit 2015 Fördermittel an deutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen, mit denen diese ausländische Wissenschaftler zwei Jahre lang finanzieren können. Das Antragsvolumen sei seit Beginn des Ukraine-Kriegs zeitweise auf 300 Prozent der Vorjahre gestiegen und liege aktuell weiterhin bei fast 200 Prozent, sagte Albrecht. Wurden zunächst 50 bis 60 Wissenschaftler pro Jahr unterstützt, seien es nun 80 bis 100. Die Gründe, warum die Forscher Schutz suchten, seien ganz unterschiedlich. Durch den Ukraine-Krieg sei es vielen Wissenschaftlern nicht mehr möglich, an ihren Hochschulen zu arbeiten. In Russland erlebten kritische Wissenschaftler seit dem Ukraine-Krieg verstärkt Repressionen durch Geheimdienste. Unter den Unterstützten aus anderen Ländern sei etwa eine Historikerin, die zur Militärgeschichte ihres Landes geforscht habe. Die Ergebnisse ihrer Arbeit hätten aber nicht zum gängigen Narrativ der Regierung gepasst. Ein weiteres Beispiel sei eine syrische Rechtswissenschaftlerin, die sich in Damaskus mit internationalem Strafrecht befasst habe. «Sie hat dann festgestellt, dass der syrische Geheimdienst beginnt, in ihren Vorlesungen zu sitzen», berichtet Albrecht. In Afghanistan wiederum seien Frauen gänzlich aus den Hochschulen verbannt worden. Morgen treffen sich auf Einladung der Stiftung etwa 400 Wissenschaftler und Experten aus der Politik in Berlin, um Fragen rund um die internationale Wissenschaftsfreiheit zu diskutieren und sich zu vernetzen. Laut Albrecht gibt es keine Erhebungen darüber, wie viele Wissenschaftler weltweit in Gefahr sind. Internationale Studien hätten aber gezeigt, dass weltweit über 3,5 Milliarden Menschen in Ländern leben, in denen die Wissenschaftsfreiheit stark eingeschränkt sei. Die Philipp Schwartz-Initiative hat laut Albrecht seit 2015 rund 500 Wissenschaftler aus 26 Ländern unterstützt. Die meisten von ihnen kommen aus der Türkei, der Ukraine und Syrien. Mit der Initiative rief die Humboldt-Stiftung eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt als erste Forschungsförderorganisation Deutschlands ein Schutzprogramm für gefährdete und verfolgte Wissenschaftler ins Leben. Seitdem habe das Programm auf nationaler und internationaler Ebene Schule gemacht. Es ist nach dem Pathologen jüdischen Glaubens Philipp Schwartz benannt. Dieser musste 1933 vor den Nationalsozialisten aus Deutschland fliehen und gründete die «Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland».Experten-Treffen auf Einladung der Stiftung
Bildnachweis: © -/https://photonew.ukrinform.com/ Ukrinform/dpa
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Stiftung: Bedrohung für Wissenschafftler nimmt weltweit zu
Wenn der Geheimdienst in der Vorlesung sitzt oder Bomben fallen: Weltweit sind Wissenschaftler gefährdet, sei es durch repressive Regime oder Kriege. Der Bedarf an Schutz steigt drastisch.
Meistgelesene Artikel
Trotz Plusgraden bleiben alle Schulen geschlossen!
- 23. Januar 2026
Gastronomie-Hoffnung in Beckum: Hotel Samson macht weiter
Das Traditionshaus bleibt mit bewährter Karte, vertrautem Team und frischem Schwung in der Küche erhalten!
Die wichtigsten Termine der Karnevalssession auf einen Blick!
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 7. Februar 2026
Neue Expedition des Forschungsschiffs «Polarstern»
Geplant sind Untersuchungen zum rapiden Wandel von Meereis und Ökosystemen im antarktischen Weddellmeer. Das Gebiet ist von zentraler Bedeutung für das globale Klima- und Ozeansystem.
- 6. Februar 2026
Großer Salzwassereinbruch aus Nordsee in Ostsee möglich
Der Wasserstand der Ostsee ist auf einem historischen Tiefstand. Als Binnenmeer ist die Ostsee auf Salzwassereinbrüche aus der Nordsee angewiesen. Derzeit stehen die Chancen dafür außergewöhnlich gut.
- 6. Februar 2026
UN: 4,5 Millionen Mädchen von Genitalverstümmelung bedroht
230 Millionen Frauen leben mit den Folgen, jetzt droht Millionen weiteren Mädchen dasselbe Schicksal. Was hinter der brutalen Praxis steckt – und warum der Kampf dagegen schwerer wird.






