Seit dem Frühjahr beschäftigt ein besonderes Gremium die Beckumer Kommunalpolitik: der Arbeitskreis „Finanzen Beckum". Ins Leben gerufen durch einen mehrheitlichen Beschluss des Haupt-, Finanz- und Digitalausschusses (HUFA) im Februar 2026, soll er gemeinsam mit dem externen Berater Peter Wapelhorst und Vertreterinnen und Vertretern aller Fraktionen den städtischen Haushalt durchforsten, auf der Suche nach Einsparpotenzialen bei Großprojekten wie Schulen, Radverkehr und Feuerwehr.
Nun aber gibt es Streit um die Zukunft des Gremiums: Die Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke beantragten Ende Juni, den kontinuierlich tagenden Arbeitskreis möglichst zum 17. Juli 2026 zu beenden. Ihre Begründung: Nach drei ganztägigen Sitzungen habe sich zwar eine konstruktive, überfraktionelle Zusammenarbeit gezeigt – doch der Aufwand für aufwendige Vorbereitungen, externes Personal und ganztägige Tagungen sei hoch, gerade für kleinere Fraktionen kaum dauerhaft zu stemmen. Hinzu komme ein grundsätzliches Bedenken: Weil der Arbeitskreis nicht öffentlich tagt, könne bei Bürgerinnen und Bürgern der Eindruck entstehen, es werde „hinter verschlossener Tür" verhandelt. Die eigentliche politische Arbeit solle wieder verstärkt in den öffentlichen Ausschüssen und im Rat stattfinden.
Ganz ausschließen wollen die beiden Fraktionen befristete Arbeitskreise bei künftigen Großprojekten aber nicht. Als Vorbild nennen sie die Planungen zur neuen Feuer- und Rettungswache Beckum, bei denen ein solches Format bereits gut funktioniert habe.
Eine schnelle Entscheidung war jedoch nicht möglich: Weil der Antrag zu spät einging, um fristgerecht auf die Tagesordnung der Ratssitzung am 9. Juli zu kommen, wird er nun offiziell erst am 10. September 2026 im Haupt-, Finanz- und Digitalausschuss beraten. Um dennoch frühzeitig eine politische Verständigung zu ermöglichen, wurde das Thema bereits am 14. Juli im Arbeitskreis selbst diskutiert. Ein Konsens kam dabei allerdings nicht zustande. Die antragstellenden Fraktionen wollen die Sommermonate nun nutzen, um zu prüfen, ob eine Entscheidung im September nötig ist, oder ob man die Arbeit des Gremiums zunächst bis Jahresende fortsetzt.
Was der Arbeitskreis bislang beraten hat
Unabhängig vom Streit um seine Zukunft hat der Arbeitskreis in mehreren Sitzungen bereits eine ganze Reihe von Themen bearbeitet, mit teils konkreten Ergebnissen:
Schulentwicklung: Diskutiert wurde vor allem, wie sich die geplanten Bauprojekte an der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule, der Roncallischule und dem Albertus-Magnus-Gymnasium kostengünstiger umsetzen lassen. Die Schulleitungen der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule und der Roncallischule lehnten eine Reduzierung ihres Raumprogramms allerdings ab. Einvernehmlich beschlossen wurde dagegen, mit der baulichen Planung für ein fünfzügiges Albertus-Magnus-Gymnasium zu beginnen. Dies soll unter besonderer Berücksichtigung des Erhalts vorhandener Gebäude erfolgen, um Kosten zu sparen.
Haushaltssicherungskonzept vermieden: Trotz angespannter Haushaltslage verständigte man sich darauf, ein förmliches Haushaltssicherungskonzept nach Möglichkeit zu vermeiden. Der externe Berater hatte davor gewarnt, dass ein „Verlassen" eines solchen Konzepts danach nur schwer möglich sei.
Radverkehr und Feuerwehr: Beide Konzepte stehen laut Arbeitskreis grundsätzlich nicht infrage. Bei der Feuerwehr können durch eine interkommunale Zusammenarbeit mit dem Kreis Warendorf sowohl ein Logistikfahrzeug kleiner ausfallen als auch die Anschaffung eines Radladers ganz entfallen. Der Neubau der Feuer- und Rettungswache Beckum wurde in seinem bisherigen Umfang nicht infrage gestellt.
Bürgerbüro: Weil das Bürgerbüro im Rathaus künftig mittwochs ganztägig geschlossen bleibt, lassen sich Stellenanteile einsparen. Zusätzlich soll geprüft werden, ob sich durch angepasste Gebühren oder eine konsequentere Ahndung von Verstößen gegen die Ausweispflicht zusätzliche Einnahmen erzielen lassen.
Gebäude und Grundstücke: Die Verwaltung soll eine Liste städtischer Wohnimmobilien erstellen, die möglicherweise nicht mehr benötigt und verkauft werden könnten. Die Einführung eines digitalen Gebäudemanagement-Systems ist angedacht, aus personellen Gründen aber frühestens ab 2027 realistisch.
Kitas: Die bestehende Elternbeitragssatzung soll grundsätzlich nicht angetastet werden. Geprüft wird jedoch, ob künftig Betreuungsumfänge über 30 Stunden gesteuert werden können. Dies ist abhängig von einer möglichen Gesetzesänderung auf Landesebene. Die Sanierung der Kita „Kleine Strolche" mit Fördermitteln im Jahr 2027 wurde einvernehmlich begrüßt.
Bäder: Für das Freibad Neubeckum soll zunächst eine Entscheidung über mögliche Fördermittel abgewartet werden, bevor über den weiteren Betrieb ab der Saison 2027 entschieden wird.
Wichtig für die Transparenz: Zunächst tagte der Arbeitskreis nicht-öffentlich, seine Ergebnisse wurden dem Haupt-, Finanz- und Digitalausschuss nur intern berichtet. Seit Juli 2026 werden diese Berichte nun grundsätzlich öffentlich behandel, auch rückwirkend für die vorangegangenen Sitzungen.





