Gemeinsame Pressemitteilung Private Igelhilfe Beckum und Tierschutz Initiative Beckum:
Hat die Stadt Beckum alles richtiggemacht?
Aus ihrer Sicht schon, denn der Igel ist auf Basis gesetzlicher Grundlagen nicht planungsrelevant und ist deshalb im Rahmen der Artenschutzprüfungen regelmäßig gar nicht Untersuchungsgegenstand.
Der Igel ist zwar eine bedrohte Art und steht auf der Roten Liste, doch dieser Schutzstatus hat im Gesetz bislang keinen besonderen Niederschlag gefunden, der ihn automatisch in den Mittelpunkt der Prüfungen rücken würde.
Dennoch! Auch wenn eine Art nicht als planungsrelevant gilt, greifen die Verbote des Artenschutzrechts weiter. Nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, Tiere zu töten oder ihre Nester, Höhlen und Überwinterungsquartiere zu zerstören. Ergänzend verpflichtet § 39 Bundesnaturschutzgesetz, vermeidbare Schäden an Tieren und ihren Lebensstätten zu verhindern.
Die Stadt Beckum verweist darauf, dass ein Artenschutzbeauftragter im Rahmen einer ökologischen Baubegleitung eingebunden sei. Was diese Begleitung jedoch konkret leistet, in welchem Umfang sie erfolgt und welche Maßnahmen tatsächlich ergriffen wurden, bleibt bislang offen. Solange dies nicht nachvollziehbar dargelegt wird, bleibt diese Zusage für die Öffentlichkeit nicht mehr als eine Behauptung – und trägt vor dem Hintergrund der bestehenden Zweifel nicht zur Beruhigung bei.
Die Rodungsarbeiten wurden in einem sehr hohen Tempo vorangetrieben, sodass nicht davon ausgegangen werden kann, dass ein Artenschutzbeauftragter die Bäume nach Winterschlafquartieren der (planungsrelevanten!) Fledermäuse sowie nach Winterschlafnester von Igeln im Boden absuchen konnte. Anwohner haben jedenfalls niemanden gesehen, der diese Aufgabe wahrgenommen hätte.
Es drängt sich der Verdacht auf, dass an diesen beiden Tagen noch schnell Fakten geschaffen werden sollten, damit die ‚renitenten‘ Tierschützer keine Ansätze für einen möglichen Baustopp finden.
Es ist unverständlich, wie schwer sich Teile der Beckumer Kommunalpolitik damit tun, Verantwortung in ökologischen Fragen aktiv wahrzunehmen. Fachliche Zweifel bleiben unbehandelt, Transparenz wird vertagt, und politische Kontrolle findet vielfach schlicht nicht statt.
Haben nur Bürgerinnen und Bürger in einer solchen Situation Fragen – und hat die Politik keine?
Die Zusammenarbeit mit der Tierschutz Initiative Beckum und der Privaten Igelhilfe Beckum wurde von unserem Bürgermeister inzwischen gekündigt. Wir waren einigermaßen verblüfft, denn wo keine konstruktive Zusammenarbeit stattgefunden hat, kann man schlicht nichts kündigen.
Warum wird diese Problematik öffentlich ausgetragen:
Weil die konstruktive Kraft von Offenheit und Transparenz die Basis jeglicher Aktivität ist. Denn es sind die aktiven Bürgerinnen und Bürger der Stadt Beckum, die unsere Tierschutzarbeit aktiv mittragen und informiert werden müssen. Eine private Unterstützung ist unersetzlich, denn bei den Entscheidungsträgern der Stadt Beckum ist im Hinblick auf Natur- und Artenschutz anscheinend kein Wille zu mehr Engagement vorhanden.
Abschließend stellen Tierschutz Initiative und Igelhilfe fest:
Die Kritik richtet sich nicht gegen das Bauvorhaben an sich. Sie richtet sich gegen die Art und Weise, wie mit Transparenz, Verantwortung, berechtigten Fragen und erkennbaren Lebensräumen umgegangen wird. Dieses Misstrauen ist nicht parteipolitisch oder ideologisch motiviert, sondern sachlich begründet.
Bild: Symbolbild