17. Februar 2026 / Politik

Konfetti, Koalitionen und klare Kante bei der närrischen Ratssitzung

Humorvoller Start in den letzten Tag der Session in Beckum

Klingeldienstag bedeutet in Beckum nicht nur Prinzenabschied, sondern auch politische Bütt. In der Aula der VHS verwandelte sich der Ratssaal wieder in eine närrische Bühne. Kostüme, Wortspiele und Seitenhiebe gehörten dazu, doch hinter allem blieb die politische Handschrift erkennbar.

Bürgermeister Michael Gerdhenrich eröffnete den Abend als Amor mit Pfeil und Bogen. Sein Thema war die neue politische Nähe zwischen CDU, FDP und FWG. Mit augenzwinkernden Anspielungen auf den sogenannten „flotten Dreier" nahm er das Bündnis aufs Korn und verband Romantik mit Ratspolitik. Die plötzliche Liebe zu dritt sei, so Gerdhenrich, ein „heißer, wilder Ritt“. Bislang laufe es zwar erstaunlich harmonisch, die Leidenschaft wirke groß, doch ob daraus eine dauerhafte Beziehung werde, ließ er bewusst offen. Auch der Wunsch des Bündnisses, einen Finanzkompass für Beckum zu etablieren, blieb nicht ohne Kommentar. Spätestens im geplanten Stadt-Finanzen-Arbeitskreis werde sich zeigen, wie belastbar die neue Einigkeit tatsächlich ist.

Eine zentrale Botschaft stellte er dabei klar heraus: „Beckum wird es besser gehen, wenn wir, Rat und Bürgermeister, zusammenstehen.“ 

Landrat Dr. Olaf Gericke spannte den Bogen zwischen Regionalpolitik und Karneval. „Bio Hafermilch an Karneval, das ist wirklich nicht mein Fall“, lachte er. Eine augenzwinkernde Anspielung auf den Arbeitgeber von Bernd I. Eßer und Hofmarschall Christoph Lehrke, die Berief Food GmbH. Der Seitenhieb saß.

Mit Blick auf die Tollität merkte er an, dass die Initialen „BE“ kaum treffender hätten sein können. Besser hätte es für Bernd I. Eßer nicht laufen können.

Zum letzten Mal stand Wolfgang Krogmeier als Präsident der Dachgesellschaft in der Bütt. Dreißig Auftritte hat er in dieser Rolle absolviert. Er erinnerte an die Dimension des Rosenmontagszuges mit 33 Wagen, 35 Fußgruppen und 16 Kapellen. Weder Regen noch Schnee hätten die Beckumer Jecken aus der Spur gebracht. Auch die weiterhin fehlende Stadthalle und der lange diskutierte Kreisverkehr fanden ihren Platz in seiner Rede. „Rumskedi – Tradition mit Herz“ brachte auf den Punkt, wofür Wolfgang Krogmeier über Jahrzehnte gestanden hat.

Tollität Bernd I. Eßer blickte auf 18 intensive Tage zurück. Die Begegnungen in Schulen, Senioreneinrichtungen und bei den Sitzungen hätten ihn geprägt. Besonders hob er die Arbeit des Elferrats, der Alten Beckumer Stadtwache und den Rückhalt der Familien hervor. Diese Session habe ihm eine neue Perspektive auf seine Stadt eröffnet.

Inhaltlich wurde es bei den Fraktionen deutlich konkreter. CDU-Fraktionsvorsitzender Nicolas van Kevelaer forderte einen respektvolleren Ton in der politischen Debatte. Zahlen allein reichten nicht, sie bräuchten Herz und Verstand. Mit Blick auf die Haushaltslage spielte er auf das Zusammenspiel von Kommune, Land und Bund an und machte deutlich, dass Verantwortung nicht immer nur nach oben delegiert werden könne.

Die SPD trat geschlossen als Musketiere auf. „Einer für alle und alle für Beckum“ war nicht nur Kostümidee, sondern politisches Signal. Fraktionsvorsitzender Gilbert Wamba sprach von politischer Bewegungsarmut als eigentlicher Gefahr. Zu viele Prüfaufträge, zu viele Arbeitskreise, zu wenig Umsetzung. Insgesamt sieben Vorschläge kündigten die Sozialdemokraten an. Beckum brauche Mut zur Entscheidung.

Die Grünen sorgten musikalisch für Aufmerksamkeit mit ihrem Song "Einer für Beckum, einer für alle". Als Jägermeister-Flaschen kostümiert, präsentierten Peter Dennin und Ute Zeyn eine umgedichtete Version des Songs "Zehn kleine Jägermeister" und ließen dabei die Bürgermeisterwahl Revue passieren.

Erstmals dabei war die Linke. Fraktionsvorsitzender Niklas Gesigora nutzte seine Premiere, um mit Selbstironie auf den Altersdurchschnitt im Rat anzuspielen. Gleichzeitig griff er das Thema Gleichberechtigung auf und forderte frischen Wind in der politischen Kultur.

Auch die FWG nutzte die Bühne für eine klare Ansage. Fraktionsvorsitzender Markus Schiewe stellte den Abend bewusst unter das Motto „Frohsinn statt Streit“. Man wolle nicht bremsen, sondern gestalten, erklärte er sinngemäß – mit Humor, aber auch mit Entschlossenheit. Wenn der Rat geschlossen auftrete, könne das der Stadt spürbar Rückenwind geben. Hinter der närrischen Verpackung stand die Botschaft, dass Zusammenarbeit kein Selbstzweck sei, sondern Voraussetzung für Bewegung in Beckum.

Den Schlusspunkt setzte FDP-Fraktionsvorsitzender Timo Przybylak. Er griff die Kommunalwahl auf und positionierte sich deutlich im politischen Farbenspiel des Rates. Rot-Grün sei nicht das Modell der Zukunft, ließ er durchblicken, vielmehr setze man auf Schwarz-Gelb in Kombination mit FWG-Blau. 

Abgerundet wurde die närrische Sitzung durch Auftritte bekannter Tanzgruppen, die für Begeisterung im Saal sorgten. Der Stadtelferrat war geschlossen vertreten, ebenso die Familien von Bernd I. Eßer und Hofmarschall Christoph Lehrke. Der Vormittag war ein humorvoller Start in den letzten Tag der Session.

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