Wie erkenne ich gefährliche Chats? Wann sollte ich misstrauisch werden? Und wo bekomme ich Hilfe, wenn mir im Internet etwas komisch vorkommt? Mit genau diesen Fragen beschäftigten sich am Montag die Schülerinnen und Schüler der Klassen 7a und 7b des Albertus-Magnus-Gymnasiums beim Projekttag zum Thema Cybergrooming. Am Mittwoch folgt das gleiche Programm für die Klassen 7c und 7d.
Cybergrooming bezeichnet die gezielte Kontaktaufnahme zu Kindern und Jugendlichen über das Internet mit dem Ziel, ihr Vertrauen zu gewinnen und sexuelle Kontakte anzubahnen. Dabei geben sich Täter häufig als Gleichaltrige aus und versuchen, ihre Opfer über einen längeren Zeitraum zu manipulieren.
Organisiert und durchgeführt wurde der Projekttag größtenteils von den Medienscouts des AMG, engagierten Schülerinnen und Schülern der Klassen 8 bis zur Q1. Unterstützt wurden sie von den Beratungslehrkräften für Medien Vanessa Bajric, Hendrik Scholten und Andreas Schapmann sowie von externen Fachkräften des Kreises Warendorf und der Fachstelle Schutz.
Vanessa Bajric erklärte, warum bewusst auf einen „Peer-to-Peer-Ansatz“ gesetzt wurde. Die Inhalte würden von Schülerinnen und Schülern oft noch einmal anders angenommen, wenn sie von Gleichaltrigen vermittelt werden. Die Idee für den Themenschwerpunkt sei zudem aus den Reihen der Medienscouts selbst entstanden. Seit diesem Schuljahr kann der Schwerpunkt Medienscouts ab Klasse 8 außerdem als Neigungskurs gewählt werden.
Zum Auftakt erhielten die Jugendlichen in der Aula zunächst einen Überblick über das Thema. Anschließend informierten Martina Stronczek von der Kreispolizeibehörde Warendorf und Rita Niemerg vom Medienkompetenzzentrum des Kreises Warendorf über Täterstrategien, aktuelle Entwicklungen und die rechtliche Lage. Dabei machte Martina Stronczek deutlich: „Sexueller Missbrauch mit oder ohne Körperkontakt bei Kindern oder Jugendlichen ist digitale sexualisierte Gewalt.“ Außerdem erklärte sie, dass Cybergrooming eine Straftat sei und je nach Delikt mit Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren geahndet werden könne.
Auch der Einfluss Künstlicher Intelligenz spielte eine wichtige Rolle. KI könne heute täuschend echte Fake-Profile, Bilder oder Nachrichten erzeugen und Täterinnen und Täter dabei unterstützen, Vertrauen aufzubauen und Kinder gezielt anzusprechen.
In den anschließenden Workshops analysierten die Schülerinnen und Schüler echte Chatverläufe, suchten gemeinsam nach Warnsignalen und entwickelten Strategien, wie sie sich im Ernstfall schützen können. Dabei standen unter anderem die sogenannte NO-GO-TELL-Regel, das Erkennen manipulativer Nachrichten sowie verschiedene Beratungs- und Hilfsangebote im Mittelpunkt.
Rita Niemerg appellierte immer wieder an die Jugendlichen: „Hört auf euer Bauchgefühl.“ Ebenso wichtig sei es, sich Hilfe zu holen. „Ganz wichtig ist, dass ihr darüber redet und euch Hilfe holt“, betonte sie. Niemand müsse sich für solche Situationen schämen, denn „das kann jedem passieren. Es gibt keine leichten oder schweren Opfer. Das könnte selbst Erwachsenen passieren.“
Zum Abschluss gestalteten die Schülerinnen und Schüler eigene Instagram-Beiträge, mit denen sie andere Kinder und Jugendliche über Cybergrooming informieren und sensibilisieren sollten. Die überzeugendsten Beiträge sollen künftig über den Schulaccount veröffentlicht werden.
Mit dem Projekttag setzt das Albertus-Magnus-Gymnasium ein wichtiges Zeichen für Prävention und Medienkompetenz. Unterstützt wurde das Angebot außerdem von der Fachstelle Schutz, die ihre Beratungsangebote sowie die Online-Beratung ways4you vorstellte. Gleichzeitig machte die Schule deutlich, dass auch über den Projekttag hinaus jederzeit Hilfe möglich ist. Wer im Nachhinein Fragen hat oder über eigene Erfahrungen sprechen möchte, kann sich vertrauensvoll an die Schulsozialarbeiterin sowie an die Beratungslehrkräfte Frau Bruning und Herrn Lethen wenden.
Die Kombination aus fachlichem Input, praktischen Übungen und dem Engagement der Medienscouts zeigte, wie wichtig Aufklärung in einer zunehmend digitalen Lebenswelt ist. Umso größer ist die Hoffnung, dass auch die kommenden Jahrgänge von diesem Projekt profitieren und sich auf weitere spannende Präventionsangebote am AMG freuen können.
Text und Bilder: Lina Mance





