2. Dezember 2020 / Lokales

Präsenz und Livestream in der VHS

Volkshochschule Beckum-Wadersloh

Seit mehr als einem halben Jahr ist die alte hölzerne Schultür an der Antoniusstraße geschlossen. Eingang in die Volkshochschule ist in Corona-Zeiten nur noch über den Schulhof möglich.

Doch obwohl seit November circa 150 VHS-Kurse unterbrochen sind, sind täglich ca. 200 Personen im Haus. Lehrende und Teilnehmende der Schulabschluss-, Alphabetisierungs- und Integrationskurse und Prüflinge und die Schüler und Lehrer der Musikschule. Für sie ist der Unterricht erlaubt und alle Räume mussten dafür „corona-passend“ gemacht werden. Die Aula, in der ansonsten Rats- und Ausschusssitzungen, Karnevalsveranstaltungen oder Vorträge stattfinden, ist noch bis Ostern 2021 tagsüber vormittags und nachmittags mit jeweils einem Integrationskurs gebucht, die dort mit dem nötigen Abstand in voller Klassenstärke (25 Personen) unterrichtet werden können. Für andere Kurse waren die alten Klassenräume der Antoniusschule zu anderen Zeiten oft sehr groß, jetzt passen sie für die Corona-Abstandsbedingungen.

Aber es gibt nicht genügend große Räume. Speziell für einen Integrationskurs wurde daher eine vom Bund geförderte Modelllösung gefunden. Die bereits seit März 2020 bestehende Lerngruppe von 20 Personen wurde geteilt und auf zwei Räume verlegt, so dass nun eine Lehrkraft in einem Raum unterrichtet und per Kamera als Livestream-in dem Nachbarraum zu sehen ist. Abwechselnd können die Gruppen dann direkt mit dem Lehrer sprechen oder den Unterricht über den großen Bildschirm im „lehrerlosen“ Raum verfolgen. Ausgewählt wurde eine leistungsstarke Gruppe. Doch so ganz zufrieden sind die Teilnehmer nicht. „Digitalunterricht ist nur die Notlösung!“ ist man sich einig.

Auch wenn die Übertragung per Kamera in den Nachbarraum nach Startschwierigkeiten technisch mittlerweile fast reibungslos läuft, sehen die Teilnehmer doch viele Nachteile. Ein Handicap sei ja bereits die Maske, die im Sprachunterricht zu besonderen akustischen Einschränkungen führt. Außerdem könne man nicht spontan nachfragen, wenn man etwas nicht verstanden habe und man wolle doch schließlich richtig gut Deutsch lernen. Auf interaktive Spiele und Gruppenarbeit, die sonst den vierstündigen Sprachunterricht auflockern und das Lernen unterstützen, muss ganz verzichtet werden. Der Unterricht erfolgt weitgehend frontal. „Er ist deutlich langweiliger geworden“ resümiert auch der Sprachenlehrer Andreas Richter.

Der Radiojournalist ist zwar mit der Akustik zufrieden, sieht aber auch die Einschränkungen, die alle jetzt hinnehmen müssen. „Für alle, auch für die Kursleitenden ist der Unterricht jetzt eine große Herausforderung“; resümiert Renate Poker, die die Integrationskurse organisiert. Aktuell hat die VHS-Leiterin Christa Paschert-Engelke jedoch keine Alternative. „Große Räume mit der entsprechenden Infrastruktur sind zurzeit nicht vorhanden. Und eine Doppelfinanzierung für zwei Lehrkräfte bei geteilten Gruppen ist vom BAMF nicht vorgesehen. Wir sind froh, dass wir diese Lösung haben, sonst müsste der Unterricht ausfallen. “ So lernt man in den Zeiten der Corona nicht nur die deutsche Sprache, sondern muss flexibel und einfallsreich, hochkonzentriert und kompromissbereit sein.

Mehr Infos unter www.vhs-beckum-wadersloh.de

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