29. März 2025 / Lokales

„Maikäfer flog!“: Theaterstück über Erinnerung und Menschlichkeit im Stadttheater Beckum

Regisseur Christian Tietz spricht über die Entstehung, Entwicklung und Bedeutung des Recherche-Theaters.

Nach fünf Jahren des Wartens kehrt das bewegende Recherche-Theaterstück „Maikäfer flog!“ endlich auf die Bühne des Stadttheaters Beckum zurück. Regisseur Christian Tietz beantwortet im Vorfeld Fragen zur Entstehung, Entwicklung und Bedeutung des Stücks – und erklärt, warum Erinnerungen an das Kriegsende gerade heute wichtiger denn je sind.

Das Stück „Maikäfer flog!“ sollte ursprünglich schon 2020 im Stadttheater Beckum aufgeführt werden. Wie fühlt es sich an, dass es nun – fünf Jahre später – endlich auf die Bühne kommt?
Das werden wir sehen! Die Gruppe trifft sich als solche erst in den nächsten Tagen wieder, zum ersten Mal seit fünf Jahren. Es sind ja viele Menschen beteiligt und bislang haben nur einzelne miteinander gesprochen, telefoniert und sich nun verabredet.

Wie hat sich das Projekt in dieser Zeit entwickelt – gab es inhaltliche oder konzeptionelle Veränderungen seit der Uraufführung im Dormitorium 2019?
Aus "Maikäfer flog!" hat sich ja die Geschichtswerkstatt entwickelt, die die Beschäftigung mit dem Kriegsende fortführte und auf die gesamte NS-Zeit in Beckum lenkte, mit dem Schwerpunkt auf die Opfer der Gewaltherrschaft. Was die Wiederaufnahme unseres Stückes betrifft, so leben einfach einige Beteiligte von 2020 nicht mehr, andere können aus körperlichen Gründen nicht mehr teilnehmen. So wird der Kreis derjenigen größer, die damals mitrecherchiert und mitgespielt haben. Hierbei laden wir auch weitere Interessierte ein, die gerne hinzukommen können: zu einem Treffen am kommenden Sonntag, um 18 Uhr im Stadttheater. Es wird auch "nur" gelesen, vorgetragen.

Was macht dieses Recherche-Theater so besonders – gerade mit Blick auf die Gespräche mit Zeitzeug:innen und die Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart in Beckum?
"Maikäfer flog!" kann zeigen, wie aus Recherchen, Erinnerungen und Zeitzeugnissen ein Text für die Bühne, für ein Publikum wird. Wie aus vielen verschiedenen Perspektiven eine Geschichte entsteht. Wie ein von Deutschland begonnener Krieg die Welt erfasste und dies zurückschlägt. Ganz konkret beginnt die Gegenwart, wenn Menschen am Dienstagabend von der Vergangenheit erzählen und andere ihnen zuhören und zusehen und die Geschichte mit nach Hause nehmen.

Wie wichtig ist es euch, mit diesem Stück Erinnerungen an das Kriegsende wachzuhalten – insbesondere aus der Perspektive der „Kinder von damals“?
Den Erinnerungen und Texten merkt man an, dass sie weiterleben, dass auch ein Kind mitten in der Welt steht.

Was erwartet das Publikum am 1. April im Stadttheater – und welche Botschaft möchtet ihr den Besucher:innen mit auf den Weg geben?
Auf der kleinen Bühne des Stadttheaters stehen nur Stühle, auf denen Menschen mit Zetteln sitzen. Wenn das Lesen und Sprechen beginnt, kann man eine unausgesprochene Botschaft hören: dass ein Krieg keine Naturkatastrophe, dass eine kleine Stadt mit dem kleinen Zuhause keine Insel ist.

„Maikäfer flog!“ ist mehr als ein Theaterstück – es ist ein bewegender Beitrag zur Erinnerungskultur in Beckum und ein stiller Appell für Frieden und Menschlichkeit.

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