Es folgt ein Leserbrief von Theo Himmel:
"Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Mitglieder des Rates,
seit Wochen und Monaten erleben die Bürgerinnen und Bürger in Neubeckum Widersprüche, Unklarheiten und immer neue Erzählungen rund um Wasserstand, Gutachten, Sperrung und Gefahrenlage am Hellbachteich. Was dabei besonders irritiert, ist nicht nur das Verwaltungshandeln selbst, sondern auch der politische Umgang damit.
Statt ihrer Kontrollfunktion nachzukommen, zieht sich die Politik erkennbar darauf zurück, alles sei furchtbar kompliziert und man müsse deshalb eben der Verwaltung vertrauen. Genau das ist ihre Aufgabe aber gerade nicht.
Politik hat nicht die Pflicht, Verwaltung zu schonen.
Politik hat die Pflicht, Kontrolle auszuüben.
Wir sind nicht mehr im Wahlkampf. Es geht nicht mehr darum, aus falsch verstandener Loyalität Rücksicht zu nehmen, auf Schonung zu setzen oder sich aus Bequemlichkeit in einem neuen politischen Schmusekurs einzurichten. Wer Verantwortung trägt, muss den Mut haben, einfache, klare und notfalls auch unbequeme Fragen zu stellen.
Dazu gehören insbesondere folgende Punkte:
- Welcher Wasserstand liegt tatsächlich vor?
- Welcher Wasserstand schädigt den Damm?
- Welche Kontrollen und Maßnahmen fanden seit 2019 tatsächlich statt?
- Warum ist der Teich wieder voll, wenn dauerhaft ein niedriger Wasserstand erforderlich gewesen sein soll?
- Warum wurde erst Ende März beziehungsweise Anfang April 2026 gesperrt, obwohl neue Erkenntnisse offenbar schon seit Januar vorlagen?
- Wie lange soll die Sperrung überhaupt noch andauern?
- Wie ist der Stand des beantragten Planfeststellungsverfahrens?
- Was ist mit den dafür mittlerweile aufgewendeten rund 300.000 Euro?
Das alles ist längst kein Missverständnis mehr, sondern ein handfester Skandal.
Hinzu kommt ein weiterer Widerspruch: Einerseits wird nun mit einer abstrakten Gefährdungslage argumentiert, andererseits war der Hellbachteich über viele Jahrzehnte ganz selbstverständlich Teil des Alltags in Neubeckum - als Aufenthaltsort, Wegeverbindung, Spielplatzumfeld und Naherholungsraum. Wenn ein Bereich über Jahre genutzt wird, ohne dass sichtbar konsequente Maßnahmen, klare Warnungen oder eine nachvollziehbare Kommunikation erfolgen, dann ist es politisch und verwaltungsseitig umso erklärungsbedürftiger, warum plötzlich eine akute Gefahrenlage im Raum steht. Gerade der Gegensatz zwischen abstrakter Gefahr auf dem Papier, als Ergebnis einer Modellrechnung und gelebter Alltagserfahrung vor Ort verlangt endlich eine klare, ehrliche und widerspruchsfreie Erklärung. Ebenso erklärungsbedürftig ist, dass bislang kein transparenter Abwägungsprozess erkennbar ist, in dem mildere Maßnahmen ernsthaft geprüft und nachvollziehbar verworfen wurden. Wer zu Sperrung und weitreichenden Eingriffen greift, muss offenlegen, warum weniger einschneidende Möglichkeiten nicht ausgereicht haben sollen. Solange genau das nicht geschieht, bleibt der Eindruck bestehen, dass nicht das mildeste geeignete Mittel gewählt wurde, sondern vorschnell die schärfste Maßnahme.
Am 20.04.2026 ist der Teich randvoll. Jeder kann es sehen. Und genau dieser Zustand begünstigt offensichtlich die Sperrung. Umso grotesker ist es, wenn ausgerechnet ein so offenkundiger Sachverhalt nicht klar, einheitlich und nachvollziehbar benannt wird. Dafür braucht es keine Fachsimpelei, keine Nebelwand und keine wolkigen Ausflüchte. Es braucht nur Augen im Kopf und den Willen, die Realität beim Namen zu nennen.
Die schlichten Fragen lauten:
Ist der Teich voll oder nicht?
Gibt es überhaupt ein gemeinsames Verständnis davon, was „voll“ bedeutet?
Wer nicht einmal auf diese einfachen Fragen klare und ehrliche Antworten liefert, verspielt jedes Vertrauen. Dann wirkt das Ganze nicht mehr wie seriöses Verwaltungshandeln, sondern wie ein Verwirrspiel auf Kosten der Bürger.
Ebenso wenig darf beim Planfeststellungsverfahren einfach Schweigen herrschen. Nach nunmehr fast zwei Jahren darf die Bürgerschaft einen belastbaren Zwischenstand erwarten. Und auch die Politik sollte sich daran erinnern lassen: Rund 300.000 Euro, die zwischenzeitlich in dieses Verfahren geflossen sind, sind kein Pappenstiel. Auch dazu besteht ein Anspruch auf Auskunft.
Vielleicht wäre es deshalb an der Zeit, dass sich die politisch Verantwortlichen nicht länger hinter Vorlagen, Floskeln und Verwaltungserzählungen verschanzen, sondern endlich selbst vor Ort erscheinen. Auch der Bürgermeister täte gut daran, sich den Fragen und den sichtbaren Realitäten am Hellbachteich selbst zu stellen.
Denn wer Verantwortung trägt, sollte sich den Zustand, über den gesprochen wird, wenigstens einmal selbst ansehen.
Das sind keine unzulässigen Zuspitzungen.
Das sind die schlichtesten Kontrollfragen, die man in einer funktionierenden kommunalen Demokratie erwarten darf.
Stattdessen entsteht der Eindruck, dass Teile der Politik lieber Rücksicht nehmen, als gegenüber der Öffentlichkeit endlich zu klären, was hier eigentlich Phase ist.
Genau darin liegt das eigentliche politische Versagen:
nicht im Nichtwissen, sondern im fehlenden Mut, aus Widersprüchen Konsequenzen zu ziehen und sie offen anzusprechen.
Wer heute noch schweigt, macht sich das Durcheinander politisch zu eigen.
Die Bürger haben Anspruch auf Klarheit.
Nicht auf Schonung.
Nicht auf Ausreden.
Und nicht auf ein Schauspiel aus Sperrung, Dramatik und späterem Schulterzucken.
Mit nachdrücklichen Grüßen
H. Theo Himmel"





