29. Mai 2025 / Lokales

Fördermittel für neue Geschäfte in der Beckumer Innenstadt: Stadt Beckum im Interview

Helga Grothues zum Förderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Ortszentren NRW“

Das Aussterben der Innenstädte ist längst kein seltenes Phänomen mehr. Auch in Beckum sind wir von diesem traurigen Umstand betroffen. Viele unserer geliebten Geschäfte mussten aus unterschiedlichen Gründen ihre Türen schließen. Positiv ist, dass es seit Corona das Förderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Ortszentren NRW“ gibt. So konnten wir uns in den letzten Jahren bereits über unterschiedliche Neueröffnungen in Beckums Einkaufszone erfreuen. 

Wir haben uns gefragt, wie das Fördermittelkonzept des Programms genau funktioniert - insbesondere vor dem Hintergrund, dass nicht alle damit geförderten und eröffneten Geschäfte zum heutigen Zeitpunkt noch Teil der Beckumer Innenstadt sind.

Daher haben wir uns mit Helga Grothues von der Stadt Beckum in Verbindung gesetzt. Helga Grothues betreut einen Baustein des Förderprogramms: den Fördertopf Anmietung. Viel Spaß beim Lesen des Interviews!

1. Was ist das Ziel des Förderprogramms „Zukunftsfähige Innenstädte und Ortszentren NRW“ und warum hat sich die Stadt Beckum entschieden, ein Teil davon zu sein?

Helga G. : "Es gab bereits aufgrund der COVID-19-Pandemie vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung in NRW 2020 das Sofortprogramm zur Stärkung der Innenstädte und Zentren. Daran hat die Stadt Beckum auch schon teilgenommen. Aufgrund der damit verbundenen Erfahrung und angesichts der unverändert schwierigen Lage der Innenstädte und Ortszentren startete die Landesregierung NRW mit der Landesinitiative „Zukunftsfähige Innenstädte und Ortszentren Nordrhein-Westfalen“ ein neues Programm. Zum einen, um den Transformationsprozess weiter zu unterstützen, aber auch Aspekte wie Klima- und Generationengerechtigkeit aufzunehmen.

Zielsetzung des Programms ist es, den Städten und Gemeinden die Möglichkeit zu geben, neue Nutzungen in leerstehenden oder konkret von Leerstand bedrohten Ladenlokalen in den zentralen Lagen der Innenstädte und Zentren zu etablieren. Da auch Beckum als Mittelstadt diese Probleme hat und wir die Innenstadt auf jeden Fall weiter beleben möchten, hat sich die Stadt Beckum erneut für das neu aufgelegte Förderprogramm beworben und eine Förderzusage bekommen.

Gefördert wird die Anmietung von leerstehenden Ladenlokalen und Räumen für unterschiedliche Nutzungen in der Beckumer Innenstadt und deren Weitervermietung zu einer reduzierten Miete für einen Zeitraum von maximal zwei Jahren.

Zudem können wir durch das Förderprogramm auf das Wissen von Fachleuten, wie dem Büro StadtRaumKonzept aus Dortmund bauen, das die Stadt Beckum bereits im Bereich der Neubeckumer Innenstadt erfolgreich unterstützt. Zusammen mit den Akteuren vor Ort wurden erste Ideen erarbeitet, um die Innenstadt auch konzeptionell zu stärken. Die Marktmomente, die monatlich auf dem Beckumer Samstagswochenmarkt stattfinden, sind ein erstes Projekt hieraus.

Das Förderprogramm ermöglicht auch weitere zusätzliche Bausteine, die ebenfalls in die Qualität der Innenstadt fließen. Zum Beispiel die Neuanpflanzungen an der Weststraße, die Anschaffung von Schirmen für den Marktplatz oder die Möblierung im Westenfeuermarkt am Eingang der Innenstadt."

2. Welche konkreten Vorteile bringt das Förderprogramm den Bürgerinnen und Bürger sowie der lokalen Wirtschaft in Beckum?

Helga G. : "Das Förderprogramm ermöglicht den Nutzenden, etwas mit einem überschaubaren Risiko auszuprobieren. Eine Fläche zu günstigen Konditionen anzumieten ist eine tolle Chance, von der man nicht weiß, wie lange es sie noch gibt. Der Weg in die Selbständigkeit oder auch die Idee eines zusätzlichen Standortes ist natürlich immer mit Risiken verbunden.

Durch das Förderprogramm hat die Stadt Beckum die Möglichkeit, leerstehende Flächen zu einem stark vergünstigten Mietpreis für eine Nutzung anzubieten. So kann das Risiko verringert werden. Natürlich funktioniert das immer nur dann, wenn auch Eigentümer und Eigentümerinnen einen Beitrag dazu leisten. Diese müssen auch auf einen Teil ihrer ursprünglichen Miete verzichten."

3. Was passiert mit den Fördermitteln, wenn ein neu eröffnetes Geschäft in der Innenstadt vor Ablauf der geförderten Mietzeit wieder schließt? Fließt das Geld zurück in den Fördertopf oder wird es anderweitig verwendet?

Helga G. : "Die Förderung läuft monatlich über die Mietverträge. Sprich: Es wird nur für den Zeitraum gefördert, in dem auch ein Mietvertrag existiert. Somit geht kein Fördergeld verloren."

4. Wie flexibel ist die Förderung gestaltet: Können ungenutzte Mittel im Laufe der Förderperiode für neue Projekte oder kurzfristige Chancen eingesetzt werden?

Helga G. : "Die Mittel des gesamten Fördertopfes „Zukunftsfähige Innenstädte und Ortszentren NRW“ können teilweise flexibel untereinander vermischt werden. Allerdings sind bei der Antragstellung schon sehr konkrete Maßnahmen zu benennen und zu planen. Der Anmietungsfonds ist natürlich schwer im Voraus zu beplanen, da es von der Bereitschaft der Nutzenden abhängt, ob eine Förderung angefordert wird. Und die kennt man in der Regel im Vorfeld noch nicht. 

Aber da hat die Stadt Beckum - um eine positive Bilanz zu ziehen - ganz gut kalkuliert. Zumindest bis zum heutigen Tag. Und wir freuen uns immer wieder, wenn Interessenten mit einer Idee zu uns kommen. Wer auch eine Geschäftsidee hat, sollte nicht zu lange warten!"

5. Welche Kriterien müssen Start-Ups oder Geschäftsinhabender erfüllen, um von der Förderung profitieren zu können?

Helga G. : "Die Kriterien sind nicht zu 100 Prozent vorgeschrieben. Wichtig ist ein Konzept, das die Innenstadt belebt. Eine Sicherheit und somit eine feste Nachhaltigkeit, dass eine Idee funktioniert, gibt es in der heutigen Zeit nicht mehr.

Des Weiteren muss die Zusammenarbeit zwischen Eigentümerinnen bzw. Eigentümern und der Stadt Beckum bezüglich Miethöhe, Mietlaufzeit usw. funktionieren. Aber auch hier hat die Stadt Beckum bisher gute Erfahrungen machen können."

6. Wie wird sichergestellt, dass Förderprojekte langfristig zum Stadtbild und zur Lebensqualität in der Innenstadt beitragen – auch über die zwei Jahre Mietminderung hinaus?

Helga G. : "Die Mittel aus dem Baustein zur Schaffung von Innenstadtqualität sind zum Beispiel an Investitionen gebunden. An der Möblierung und den Stadtbäumen kann man sich also noch für Jahre erfreuen.

Etwas anders sieht es natürlich beim Anmietungsfonds aus. Wie gesagt, Sicherheit gibt es dabei nicht. Aber das Programm dient ja auch dazu, etwas zu testen.

Schon zu Beginn der geförderten Mietlaufzeit sollten sich Nutzende und Eigentümerinnen bzw. Eigentümer abstimmen, zu welchen Konditionen nach Ablauf der Förderung das Mietverhältnis fortgesetzt werden kann. Auch dabei unterstützt das Innenstadtmanagement."

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Wir bedanken uns für dieses Interview bei Helga Grothues von der Stadt Beckum. An alle Leserinnen und Leser: Wir hoffen, dass euch das Interview einen tieferen Einblick in das Programm geben konnte.

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