Wie fühlt es sich an, einen Menschen im Alltag zu unterstützen? Welche Aufgaben übernimmt eine Pflegefachkraft im Krankenhaus? Und wie unterschiedlich kann Pflege eigentlich sein? Antworten darauf bekommen Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule Beckum künftig nicht nur im Klassenraum, sondern direkt von den Menschen, die jeden Tag in diesem Beruf arbeiten.
Am 10. September wurde in der Sekundarschule Beckum die Kooperationsvereinbarung für „care4future“ unterzeichnet. Damit ist Beckum nach Warendorf und Ahlen der dritte Standort im Kreis Warendorf, an dem das Projekt umgesetzt wird. Bereits in den vergangenen Jahren wurden an den beiden anderen Standorten praktische Erfahrungen gesammelt. Nun soll auch in Beckum ein dauerhaftes Netzwerk zwischen Schule, Pflegeeinrichtungen, Pflegediensten und Ausbildungsstätten entstehen.
Pflege kennenlernen, bevor die Berufswahl ansteht
Care4future bringt Schulen und Einrichtungen aus der Pflege zusammen. Jugendliche sollen das Berufsfeld nicht nur aus Broschüren oder vom Hörensagen kennenlernen, sondern einen möglichst authentischen Eindruck vom Arbeitsalltag bekommen. Dafür gestalten die beteiligten Einrichtungen gemeinsam einen praxisnahen Orientierungskurs. Das Konzept wird von der contec GmbH begleitet und setzt bewusst auf regionale Netzwerke.
In Beckum richtet sich das Angebot an die Jahrgangsstufe 9. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt. In diesem Alter beschäftigen sich die Jugendlichen zunehmend mit ihrer beruflichen Zukunft und absolvieren außerdem ein zweiwöchiges Berufspraktikum.
15 Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule Beckum haben sich für den ersten Durchgang angemeldet. Das Angebot funktioniert ähnlich wie eine AG und soll wöchentlich für jeweils 90 Minuten stattfinden. Dabei bleibt die Gruppe nicht ausschließlich in der Schule. Je nach Thema geht es direkt in die beteiligten Einrichtungen und Unternehmen. So können die Jugendlichen die Arbeitsplätze, Menschen und Abläufe dort kennenlernen, wo Pflege tatsächlich stattfindet.
So unterschiedlich kann Pflege sein
Wie vielseitig die Einblicke werden, zeigt schon die Zusammensetzung des Beckumer Netzwerks. Mit dabei sind die AGS Pflegedienst GmbH, Air Vital Kranken-Intensivpflege GmbH, AP Pflegedienste GmbH, Caritas ambulante Dienste GmbH, das Evangelische Johanneswerk mit dem Julie-Hausmann-Haus, das St. Elisabeth-Hospital Beckum und die St. Vincenz-Gesellschaft mbH. Als Berufsschulen beteiligen sich der Franziskus-Campus für Gesundheitsberufe, die Johanniter-Akademie NRW und das St. Vincenz Berufskolleg Ahlen.
Damit reicht das Spektrum von ambulanter Pflege, Tagespflege und Altenhilfe über Wohngemeinschaften und Service-Wohnen bis zur Intensiv- und Akutpflege. Auch die Begleitung von Menschen mit Behinderung und verschiedene Ausbildungswege gehören dazu.
Die einzelnen Partner bringen dabei ihre jeweiligen Schwerpunkte ein. AGS gibt beispielsweise Einblicke in ambulante Pflege, Tagespflege, Wohngemeinschaften und Service-Wohnen. Bei Air Vital lernen die Jugendlichen die ambulante Intensivpflege und die Versorgung intensiv- und beatmungspflichtiger Menschen kennen. AP Pflegedienste und die Caritas vermitteln weitere Bereiche der ambulanten und stationären Versorgung.
Mit dem Julie-Hausmann-Haus des Evangelischen Johanneswerks ist die Altenhilfe vertreten. Einen ganz anderen Arbeitsalltag erleben die Jugendlichen im St. Elisabeth-Hospital Beckum. Dort geht es um Akutpflege im Krankenhaus und die Aufgaben von Pflegefachpersonen und Pflegefachassistenten. Gleichzeitig lernen sie weitere Berufsmöglichkeiten im Krankenhaus kennen.
Der Franziskus-Campus für Gesundheitsberufe, die Johanniter-Akademie NRW und das St. Vincenz Berufskolleg Ahlen zeigen, welche Ausbildungswege sich nach der Schule anschließen können. Neben Pflegefachassistenz und der Ausbildung zur Pflegefachperson gehört auch der Bereich Heilerziehung dazu. Die St. Vincenz-Gesellschaft bringt mit ihren Einrichtungen ebenfalls praktische Erfahrungen in das Netzwerk ein.
Nicht nur zuhören, sondern selbst ausprobieren
Der Blick auf das Programm zeigt, wie praktisch care4future angelegt ist. Im Laufe des Schuljahres beschäftigen sich die Jugendlichen unter anderem mit Erster Hilfe, Säuglingspflege, Ernährung, Hygiene, Mobilität und Wundversorgung. Auch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in der Pflege werden zum Thema.
Dabei dürfen die Schülerinnen und Schüler selbst aktiv werden. Sie üben Erste-Hilfe-Maßnahmen an Simulationspuppen für Erwachsene, Kinder und Säuglinge, lernen, wie Säuglinge sicher gehalten und versorgt werden, und erfahren, wie ältere oder pflegebedürftige Menschen beim Essen fachgerecht und respektvoll unterstützt werden. Später stehen unter anderem Blutdruck- und Pulsmessung, Mobilität und der Umgang mit dem Rollstuhl auf dem Programm.
Viele dieser Erfahrungen sammeln die Jugendlichen direkt bei den beteiligten Netzwerkpartnern. Hinzu kommen Besuche in verschiedenen Einrichtungen und ein Berufsspeeddating, bei dem sie ihre Fragen unmittelbar an Menschen aus der Praxis richten können. Auch Karrierewege sowie Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten werden behandelt.
Ein Projekt, das bleiben soll
Care4future ist nicht als einmaliger Schnuppertag gedacht. Die Jugendlichen erhalten über viele Monate die Gelegenheit, ein Berufsfeld aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen. Gleichzeitig entsteht zwischen der Sekundarschule und den beteiligten Partnern ein Netzwerk, das langfristig Bestand haben soll.
Bis zum Abschluss im Juli 2027 können die 15 Teilnehmenden herausfinden, welche Tätigkeiten ihnen liegen, welche Bereiche sie besonders interessieren und welche beruflichen Wege für sie infrage kommen. Zum Ende des Projekts wird deshalb auch darüber gesprochen, wie es weitergehen könnte. Ein Praktikum, ein Freiwilliges Soziales Jahr oder eine Ausbildung können konkrete nächste Schritte sein.
Und vielleicht steht für die eine oder den anderen am Ende des Schuljahres nicht nur fest, was Pflege eigentlich bedeutet, sondern auch, ob darin die eigene berufliche Zukunft liegen könnte.





