Der am 25. Januar 2024 im Foyer der Sparkasse vorgestellte Band "Zwangsarbeit in Beckum in der Zeit von 1939-1945" von Reinhold Sudbrock lenkt den Fokus auf ein bisher wenig beachtetes Kapitel der Beckumer Geschichte. Die Buchvorstellung wurde mit einer herzlichen Begrüßung durch Dr. Knut Langewand, dem 1. Vorsitzenden des Kreisheimat- und Geschichtsvereins Beckum-Warendorf, sowie Herrn Jürgen Schnittker von der Sparkasse Beckum-Wadersloh eröffnet. Reinhold Sudbrock präsentierte vor etwa 90 Zuhörerinnen und Zuhörern einen eindrucksvollen Überblick über sein ca. 240 Seiten umfassendes Werk.
Das Buch beleuchtet die Zeit von 1939 bis 1945, in der über 1100 Menschen aus den Nachbarländern in Beckum Zwangsarbeit leisten mussten, verteilt auf verschiedene Sektoren wie die Zementindustrie, Landwirtschaft, Handwerk und sogar Privathaushalte. Trotz bisheriger Forschungen zu diesem Thema auf regionaler und überregionaler Ebene blieb dieser Aspekt auf lokaler Ebene weitgehend unbeachtet. Reinhold Sudbrock hat sich in den letzten 3 Jahren intensiv damit auseinandergesetzt, um dieses Stück Geschichte in die Öffentlichkeit zu bringen.
Finanziell unterstützt wurde das Buchprojekt durch die Sparkasse Beckum-Wadersloh und ist nun als Nummer 64 in der Reihe "Quellen und Forschungen" zur Geschichte des Kreises Warendorf eingereiht.
Die Recherche für das Werk stützt sich auf eine breite Palette von Quellen, darunter Akten der Stadt Beckum, des ehemaligen Kreises Beckum, des ehemaligen Amtes Ennigerloh-Neubeckum und des ehemaligen Amtes Beckum. Die meisten dieser historischen Dokumente, einschließlich der Melderegister für Zwangsarbeiter, befinden sich heute im Kreisarchiv Warendorf. Weitere Informationen wurden aus den Krankenhäusern in Beckum und Neubeckum, den Versicherungsunterlagen der Landesversicherungsanstalt und Betriebskrankenkassen sowie dem Arolsen-Archiv bezogen. Besonders ergreifend sind die Informationen aus den "Lagerbüchern" des "Entbindungs- und Abtreibungslagers Waltrop-Holthausen", in dem Zwangsarbeiterinnen aus Beckum und Neubeckum entbinden oder abtreiben mussten. Auch die Namen der verstorbenen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die auf den Friedhöfen der Stadt beigesetzt wurden, werden in diesem Werk gewürdigt.
Nach dem Vortrag betonte Reinhold Sudbrock erneut die Intention hinter seinem Werk. Es geht ihm darum, möglichst viele Namen zu nennen, um den Zwangsarbeitern ihre Existenz und ihre Präsenz in Beckum zu bestätigen. In den 60er Jahren, in Sudbrocks Jugend, wurde wenig über das Thema gesprochen, und er betont, dass das Buch nicht den Anspruch erhebt, alle Namen zu erfassen.
Die Arbeit zeichnet darüber hinaus durch Erzählungen und schriftliche Überlieferungen ein facettenreiches Bild dieser Menschen, die in dieser dunklen Periode der Geschichte in Beckum Zwangsarbeit leisten mussten.
Auf dem Foto siehst du von links Dr. Knut Langewand, Reinhold Sudbrock, Jürgen Schnittker und Stefan Wittenbrink.





