Am Samstag fanden verschiedene Ereignisse statt: nicht nur Valentinstag und Karnevalssamstag, zwei Anlässe, die von vielen auf fröhliche Weise gefeiert werden dürfen, sondern auch die weltweite Aktion ‚One Billion Rising‘, auf Deutsch ‚Eine Million erheben sich‘. Etwa 30 Frauen und auch zwei Männer folgten der Einladung von ‚Frauen helfen Frauen Beckum‘. Sie tanzten gemeinsam als Zeichen für ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben von Frauen und Mädchen hier in Beckum und auf der ganzen Welt.
Die Aktion One Billion Rising findet seit 2012 an jedem 14. Februar statt. Die Zahl ‚one billion‘, eine Milliarde, bezieht sich darauf, dass weltweit durchschnittlich jede dritte Frau in ihrem Leben Gewalt erfahren hat und erfährt. Mit dem Tanz auf dem Marktplatz unserer Stadt zeigten die Beckumer Frauen ihre Lebensfreude, Temperament und Kraft. „Gleichzeitig bezeugen wir unsere Solidarität mit allen Frauen und Mädchen dieser Welt, insbesondere mit denen, die diese Möglichkeit nicht haben“, wie die Organisatorin dieser Aktion, Lisa Ackfeld, betont.
Auf der Straße tanzen zu können, ist den Beckumerinnen nicht fremd, gerade jetzt im Karneval. „Das ist ein großer Schatz“, meint Ackfeld. Doch dass Karneval, Schützenfest und auch Partys nicht immer nur Freude für alle bedeuten, hebt sie hervor: „Es kommt immer wieder zu Übergriffen auf Frauen und Mädchen, angefangen von verbalen Attacken bis hin zur Verabreichung von K.O.-Tropfen und sexualisierter Gewalt.“
Als Mitarbeiterin bei Frauen helfen Frauen appelliert Ackfeld an alle Beckumer*innen: „ Lasst uns in diesen Tagen ausgelassen und mit Freude Karneval feiern, aber dabei auch gut auf uns selbst und aufeinander aufpassen.“
Auf der Straße tanzen zu können, ist ein Privileg, das in vielen Ländern dieser Welt undenkbar ist, wie z.B. in Afghanistan und dem Iran. Dort riskieren Frauen, verhaftet, sogar gefoltert und getötet zu werden, weil sie z.B. öffentlich Stellung beziehen zu bestimmten Themen und auch, wenn sie tanzen, singen und sich als Frauen zeigen.
„Dieses unfassbare Unrecht und diese Brutalität gegenüber Frauen machen uns betroffen und verpflichten uns, hinzusehen und tätig zu werden“, so Ackfeld.
Finden Frauen und Mädchen nach traumatischen Erlebnissen Beratung und Unterstützung in der Beckumer Beratungsstelle Frauen helfen Frauen, so wollten die tanzenden Beckumerinnen zumindest symbolisch einstehen für Frauen, Mädchen und Menschen, denen Gewalt, Ungleichbehandlung, Diskriminierung und Verfolgung widerfährt – weil sie sind, wer sie sind oder weil sie leben, wie sie leben möchten.
Mit ihrem Tanz zeigten sich die Beckumerinnen solidarisch mit denen, deren Menschenrechte missachtet und verletzt werden. Sie setzten sich gleichzeitig für Toleranz, Respekt und Veränderung ein.





