Künstliche Intelligenz (KI) ist längst Teil unseres Alltags – beim Scrollen durch Social Media, beim Online-Shopping oder in kommunalen Prozessen. Während Unternehmen und Verwaltungen zunehmend auf digitale Systeme setzen, wächst bei vielen Menschen die Unsicherheit. In Beckum zeigen Gespräche und eine Umfrage unter Bürgerinnen und Bürgern: Der technologische Wandel wird gleichzeitig als Chance und als Risiko wahrgenommen.
Jüngere Generation: KI als Unterstützung im Alltag
Besonders die 18- bis 30-Jährigen sehen in KI vor allem Vorteile. Sie nutzen sie im Studium, im Job oder im Alltag. Eine Teilnehmerin schreibt: „KI hilft mir, effizienter zu arbeiten und schneller Lösungen zu finden.“ Geschätzt wird vor allem dieZeitersparnis. Einige junge Befragte wünschen sich sogar mehr KI in Bildung und Gesundheitswesen – vorausgesetzt, Datenschutz bleibt gewährleistet.
Ältere Menschen fürchten Kontrollverlust
Mit zunehmendem Alter steigt die Skepsis. Viele über 60-Jährige äußern Sorgen vor Überwachung und davor, dass KI menschliche Entscheidungen ersetzt. Ein über 70-Jähriger bezeichnet KI als „mächtiges Werkzeug ohne Moral“ und warnt vor einem Verlust an Kontrolle. Diese Ängste spiegeln sich auch im Vertrauen wider: Fast 70 Prozent der Befragten vertrauen Behörden und Unternehmen bei Datensicherheit nur bedingt oder gar nicht. Ein junger Teilnehmer fasst zusammen: „Ich habe nichts zu verbergen, aber wer garantiert mir, dass meine Daten sicher sind?“
Ranga Yogeshwar warnt vor unsichtbarem Einfluss
Schon bei seinem damaligen Vortrag in Beckum betonte Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar, dass KI unsere Wahrnehmung in sozialen Medien oft unbemerkt steuere. Daten seien das „Öl des 21. Jahrhunderts“, doch vielen sei nicht klar, welche digitalen Spuren sie hinterlassen. Seine Warnung deckt sich mit den derzeitigen Sorgen der Umfrageteilnehmenden.
Unternehmen und Verwaltung setzen auf Chancen – aber mit Regeln
Bei dem Anfang 2025 stattfindenden After-Work-Treffen der Marketingagentur ZWOEINS und der Wirtschaftsförderung Beckum stand dagegen die potenzielle Stärke von KI im Mittelpunkt. Unternehmen könnten dank KI Prozesse automatisieren, Kunden gezielter ansprechen und datenbasiert entscheiden. Auch die Stadtverwaltung Beckum prüft derzeit Einsatzmöglichkeiten – allerdings mit klarer Priorität auf Sicherheit und Rechtssicherheit. Sandra Berges von der Stadtverwaltung betont: „Wichtige Punkte sind aus Sicht der Verwaltung die Haftungsrisiken.“ Schulungen, transparente Prozesse und klare Vorgaben sollen sicherstellen, dass Beschäftigte KI rechtskonform einsetzen. Obwohl es bislang keine direkten Anfragen aus der Bürgerschaft gebe, komme das Thema über politische Gremien zunehmend auf die Agenda.
Sorge um den Verlust menschlicher Nähe
Einige Bürgerinnen und Bürger befürchten, dass KI das Zwischenmenschliche aus dem Alltag verdrängt. Ein älterer Befragter sagt: „Früher sprach man mit echten Menschen, heute sind es nur noch Maschinen.“ Gleichzeitig wünschen sich viele eine strengere gesetzliche Kontrolle: „KI erleichtert mein Leben – aber ich weiß nicht, wer meine Daten bekommt“, erklärt eine junge Umfrageteilnehmerin. Mehr als 70 Prozent der Befragten sind überzeugt: Zwischen Schutz und Überwachung liege nur ein schmaler Grat.
Wunsch nach Aufklärung und Transparenz
Um diese Unsicherheiten zu adressieren, bietet die Stadt Beckum Workshops zum sicheren Umgang mit KI an – für Bürgerinnen und Bürger ebenso wie für Unternehmen. Viele Befragte betonen dabei den Wunsch nach mehr Aufklärung: Sie wollen verstehen, wie KI funktioniert, wie ihre Daten verwendet werden und wann Einsatzgrenzen gezogen werden.
Beckum steht vor einer Entscheidung
Die unterschiedlichen Perspektiven aus Bevölkerung, Wirtschaft und Verwaltungmachen klar: KI ist in Beckum angekommen – aber der Weg, wie sie genutzt wird, ist noch nicht festgelegt. Die große Frage lautet: Wie können wir die Vorteile von KI nutzen, ohne die Bedenken der Menschen zu übergehen?
Text: Lina Mance







