13. September 2026 / Lokales

50 Jahre SG Rote Erde Beckum: Ein Verein, der aus der Stadt nicht wegzudenken ist

Beim Empfang mit 120 Gästen standen die Menschen im Mittelpunkt und ein Appell an die Politik

Fünf Jahrzehnte Vereinsleben, unzählige Trainingsstunden und Freundschaften, die weit über den Sport hinausreichen: Die SG Rote Erde Beckum 1976 e.V. hat ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Zum Empfang am heutigen Sonntag waren rund 120 Gäste gekommen. Vereinsmitglieder, Ehemalige und Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Sportverbänden. 

Von 40 Gründungsmitgliedern zu 400

Am 20. Februar 1976 hoben rund 40 Menschen den Verein aus der Taufe. Zunächst waren es Fußballer, die sich schon zuvor im Betriebssport zusammengefunden und dort sogar den Westfalenpokal gewonnen hatten. Einige dieser Gründungsmitglieder saßen beim heutigen Festakt im Publikum und wurden von Rieping persönlich begrüßt.

Aus der Fußballtruppe wurde schnell mehr: Badminton, Leichtathletik, Lauftreff, Tischtennis und später kam der Herzsport dazu. Heute reicht das Angebot von Fußball und Volleyball über Turnen, Gymnastik und Kinderturnen bis zum Gesundheitssport, getragen von rund 400 Mitgliedern.

An der Spitze standen in diesen 50 Jahren vier Vorsitzende: Elmar Thyzel (1976–1989), Harald Westermann (1989–2002), Volker Drews (2002–2012) und seit 2012 Dr. Dietmar Rieping.

„Alles wird hier im Team gemacht"

Rieping, seit 1979 Mitglied, kennt beide Seiten: Die Erinnerungen an Ferienfreizeiten und die eigene Jugend ebenso wie die heutige Vorstandsarbeit. „Alles wird hier im Team gemacht", sagte er. „Man motiviert sich gegenseitig. Fortschritte macht man miteinander. Und das auch noch im eigenen Viertel."

Genau diesen Quartiersgedanken griff auch Bürgermeister Michael Gerdhenrich auf. Der Verein präge das soziale Miteinander in der Nachbarschaft und das über viele Generationen hinweg. Man halte sich hier nicht nur körperlich fit, sondern erlebe sich als Teil einer Gemeinschaft. In der Kinder- und Jugendarbeit würden Werte vermittelt, die weit über Ausdauer und Muskeln hinausgingen: Selbstbewusstsein, Fairness und soziales Miteinander. Sein Dank galt ausdrücklich den Übungsleitern und Vorständen: Ohne dieses Engagement gäbe es ein solches Angebot nicht.

„Sport ist der Anlass, Gemeinschaft das Ergebnis"

Wolfgang Krogmeier, Vizepräsident des Kreissportbundes Warendorf, brachte ein Grußwort mit und eine Beobachtung: Die Rote Erde habe über all die Jahre konsequent den Menschen in den Mittelpunkt gestellt, vom Bewegungskindergarten bis zum Herzsport. „Sport ist der Anlass, Gemeinschaft das Ergebnis", fasste er zusammen.
„Seien Sie alle stolz auf das Erreichte, bewahren Sie aber auch den Geist, der den Verein seit über 50 Jahren trägt." 

Peter Wiethaup, Vorsitzender des FLVW-Sportkreises Beckum, lobte, dass hier endlich einmal nicht nur der Fußball an erster Stelle stehe, sondern der Breitensport. Er brachte Geschenke für das Archiv der SG mit. Z.B. ein Spielplan aus dem Jahr 1992, damals noch gedruckt und per Post auf Vereinsbriefpapier verschickt. Dazu kam u.a. ein Original-Zeitungsausschnitt von der 25-Jahr-Feier in 2001. 

Finanzielle Unterstützung gab es an diesem Tag gleich mehrfach: Sowohl der Kreissportbund Warendorf als auch der FLVW-Sportkreis Beckum hatten Geldgeschenke mitgebracht und auch der Stadt Beckum dankte Rieping ausdrücklich nicht nur für ihre finanzielle Unterstützung.

Feste, Fahrten und ein Staffellauf seit 1983

Was den Verein ausmacht, lässt sich auch an seinem Kalender ablesen. Sommerfeste auf dem Schulhof gibt es seit 1976, dazu kamen Karnevalsfeiern in den 70er- und 80er-Jahren, Weihnachtsfeiern für Kinder und Jugendliche, Ferienfreizeiten nach Dänemark, Malente, Altenau, Bonndorf, Berlin und Büsum sowie Wochenendfahrten gehören ebenso zur Vereinsgeschichte.

Ein besonderes Markenzeichen ist der Marathon-Staffel-Lauf seit 1983. 41 Auflagen mit drei Unterbrechungen. 1991, als die Turnhalle als Notunterkunft diente und in den beiden Corona-Jahren. Dazu kommen die Kreis-Schüler-Hallenmeisterschaften über mehr als 25 Jahre, seit 2024 ein Kinder-Leichtathletik-Sportfest und seit 2018 der Pütt-Tage-Lauf gemeinsam ausgerichtet mit dem TV Beckum und dem Ski-Club Beckum.

Drei Menschen, ohne die es den Verein so nicht gäbe

Emotional und persönlich wurde es, als Rieping drei Menschen hervorhob, die für ihn den Verein verkörpern.

Günther Bienewitz, inzwischen verstorben, rief u.a. die Leichtathletik-Abteilung, den Marathon-Staffel-Lauf und die Herzsportgruppen ins Leben und prägte den Verein über 30 Jahre. Er sei „mit Herz und Blut" ein Rote-Erdler gewesen, sagte Rieping.

Melanie Stallmeister steht seit über 30 Jahren als Übungsleiterin in der Halle. Sie ist stets mit Vollblut dabei, bringt Kinder in Bewegung und vermittelt ihnen dabei wichtige Werte.

Und Thomas Stallmeister steht für all jene, die den Motor eines Vereins am Laufen halten, ohne je vorne zu stehen: kreativ, konstruktiv, mit immer neuen Ideen für die Läufe und Feste. Von ihm stammt auch die Vereinszeitung „Endspurt" aus den 90er Jahren .


Bild: v.l. Thomas und Melanie Stallmeister, Dr. Dietmar Rieping.

Besonders hervorgehoben wurde außerdem Maike Jungfermann und das von ihr entwickelte Kinder- und Jugendschutzkonzept des FLVW. Angefangen hatte alles beim Kinderturnen der SG Rote Erde. Dort stand sie als Übungsleiterin zum ersten Mal in der Halle, später übernahm sie die Sechs- bis Achtjährigen und dann die Großen. Über den Verein führte ihr Weg weiter zum FLVW, in die Westfalenjugend als Jugendsprecherin und schließlich in den Kreisvorstand. Alles ehrenamtlich, hauptberuflich ist sie Grundschullehrerin.

Auch bei der SG Rote Erde wird das Thema ernst genommen. Stefanie Wehling und Melanie Stallmeister haben hier das Kinder- und Jugendschutzkonzept entwickelt um allen Kindern und Jugendlichen im Verein einen sicheren Raum zu geben.


Bild: Maike Jungfermann, verantwortlich für das Kinder- und Jugendschutzkonzept des FLVW

Party auf der Bühne

Für Stimmung sorgten zwei Auftritte: die Cheerleaderinnen von Diamonds Elite der DJK Vorwärts 19 Ahlen und die Showtanzgruppe „Here we go" der KG Nuckelpinne. Ihre Auftritte brachten mit glitzernden Kostümen und einer starken Musikauswahl Partystimmung in den Saal. Das Publikum klatschte und wippte begeistert mit.

Eine Sorge bleibt

Bei aller Feierlaune klang beim Festakt auch ein Thema an, das den Verein umtreibt: die Zukunft der Sporthalle an der Oppelner Straße. „Diese Halle ist für uns lebenswichtig", machte Rieping deutlich und wandte sich direkt an Bürgermeister und Politik. Falle sie weg, wisse er nicht, was mit dem Verein passiere. Gefordert sei „diese oder ein besseres, modernes, adäquates Gegenstück".

Auch Krogmeier und Wiethaup sprachen das Thema an. Sport in einer Stadt funktioniere nur, wenn die Sportstätten entsprechend ausgestattet seien.

Die Stadt selbst teilt diese Einschätzung. In einer Verwaltungsvorlage vom Februar 2026 heißt es wörtlich, bei einer etwaigen Aufgabe der Sporthalle sei „eine Kompensation des Bedarfs der Vereine und Schulen in den im Stadtgebiet liegenden städtischen Sport- beziehungsweise Turnhallen nicht möglich". Zugleich wird die Halle als sanierungsbedürftig beschrieben. Einen Beschluss, der ihren Abriss vorsieht, gibt es bislang nicht. Die Unsicherheit entsteht aus der Debatte um die Zukunft des gesamten Eichendorff-Geländes. Wir bleiben an dem Thema dran.

Gefeiert wurde nach dem offiziellen Teil noch ausgiebig weiter. Bereits am Samstag hatte der Verein rund um die Eichendorff-Sporthalle ein großes Wiedersehensfest ausgerichtet, zu dem über den Tag verteilt rund 200 Gäste kamen. Mitmach-Parcours, Hüpfburg und Kaffee und Kuchen des Fördervereins des benachbarten Kindergartens sorgten für einen geselligen Festauftakt.

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