8. Juni 2026 / Lokales

100 Tage als CEO und ein klares Signal für den Standort Beckum

BEUMER-CEO Fredrik Sandmark über Führung, Veränderung, Unternehmenskultur und die Zukunft eines weltweit erfolgreichen Familienunternehmens!

100 Tage im Amt sind oft der erste echte Gradmesser für einen neuen Geschäftsführer. Seit Anfang des Jahres steht Fredrik Sandmark an der Spitze der BEUMER Maschinenfabrik in Beckum, Teil der BEUMER Group. Im Gespräch blickt der CEO auf seine ersten Monate zurück, spricht über Überraschungen, Herausforderungen und die besondere Rolle des Standorts Beckum innerhalb des weltweit tätigen Familienunternehmens.

Herr Sandmark, was hat Sie in den ersten 100 Tagen bei der BEUMER Group wirklich überrascht?
Mich hat vor allem beeindruckt, in wie vielen unterschiedlichen Branchen die BEUMER Group erfolgreich unterwegs ist, von Bergbau, Zement, Baustoffen und Petrochemie über Konsumgüter, Post, E-Commerce und Mode bis hin zur Gepäckförderung. Diese Breite ist eine große Stärke, gerade weil sich wirtschaftliche Zyklen und damit die Auftragslage in den einzelnen Bereichen sehr unterschiedlich entwickeln. Was mich dabei besonders überrascht hat, ist die Verbindung aus dieser breiten und internationalen Aufstellung bei gleichzeitiger starker lokaler Verwurzelung hier in Beckum. Man spürt sehr deutlich, wie stark der Standort bis heute mit der Identität des Unternehmens verbunden ist. Beckum ist eben nicht nur ein Werk oder ein Verwaltungsstandort, sondern ein wesentlicher Teil der gesamten Gruppe. Genau diese Mischung aus globaler Stärke und lokalem Fundament ist etwas Besonderes.

Welche Entscheidung haben Sie bewusst noch nicht getroffen, obwohl viele sie vielleicht erwartet hätten?
Ich habe bewusst darauf verzichtet, in den ersten 100 Tagen vorschnelle Symbolentscheidungen zu treffen. Mein Anspruch ist nicht, möglichst schnell sichtbare Veränderungen zu verkünden, sondern zunächst in die Tiefe zu gehen und die Situation wirklich zu verstehen. Es laufen bereits viele Initiativen und auch erfolgreiche Projekte. Ich halte daher wenig davon, Dinge vorschnell umzuwerfen, bevor man ein belastbares Gesamtbild hat. Für mich geht es zuerst um die Diagnose: Wo werden Entscheidungen getroffen? Wo gibt es Unklarheiten? Welche Strukturen helfen uns und welche bremsen eher? Gerade bei einem traditionsreichen Industriestandort wie Beckum ist nachhaltige Entwicklung wichtiger als Aktionismus. Wer langfristig führen will, muss zunächst verstehen, was bewahrt werden sollte und wo Veränderungen wirklich Wirkung entfalten.

Wie merkt ein Mitarbeiter in Beckum konkret, dass Sie nun als CEO an der Spitze stehen?
Ich hoffe, vor allem durch meine Präsenz und Nahbarkeit. Ich bin jemand, der bewusst nicht nur im Büro oder im Besprechungsraum sitzt, sondern sich im Unternehmen bewegt, in die einzelnen Geschäftsbereiche geht, Fragen stellt und ansprechbar ist. Das entspricht auch meinem Führungsverständnis: auf Augenhöhe, wenig hierarchisch, im offenen Austausch mit den Menschen. Mir ist wichtig, dass Mitarbeitende merken: Da ist jemand, der nicht aus der Distanz entscheidet, sondern zuhört und verstehen will, was den Standort bewegt. Gleichzeitig soll es bewusst kein harter Bruch sein, sondern eine Fortsetzung mit klaren eigenen Akzenten. Dazu gehören für mich Transparenz, Kommunikation und Verlässlichkeit. Gerade dann, wenn sich Dinge verändern. Denn nur wenn Menschen wissen, warum etwas geschieht und wohin die Richtung geht, kann Veränderung auch Vertrauen schaffen.

Was war Ihr größter „Das habe ich unterschätzt“-Moment seit Ihrem Start?
Unterschätzt habe ich, wie tief die emotionale Verbindung zwischen BEUMER, Beckum und den Menschen hier tatsächlich ist. Man merkt sehr schnell: Für viele ist das Unternehmen nicht einfach nur ein Arbeitsplatz, sondern Teil der eigenen Identität. Diese Nähe spürt man in Gesprächen, bei Begegnungen und auch in dem Stolz, mit dem hier auf das Unternehmen und seine Geschichte geblickt wird. Das hat mich beeindruckt und es zeigt zugleich, wie groß die Verantwortung ist, wenn man einen Standort wie Beckum in die Zukunft führen will. Denn hier geht es nicht nur um Strukturen, Prozesse oder Investitionen, sondern auch um eine wertegetriebene Organisation mit tiefer Verwurzelung und einem starken Identitätsbewusstsein. Das ist toll zu sehen.

Welche unbequeme Wahrheit über Industrieunternehmen wird Ihrer Meinung nach viel zu selten offen angesprochen?
Die unbequeme Wahrheit ist: Tradition allein garantiert noch keine Zukunft. Auch ein über Jahrzehnte erfolgreiches Industrieunternehmen wie die BEUMER Group muss sich immer wieder hinterfragen – bei Geschwindigkeit, Komplexität, Prozessen und Kosten. Kunden erwarten heute nicht nur Qualität, sondern auch Verlässlichkeit, Wettbewerbsfähigkeit und angemessene Lieferzeiten. Gerade als Premiumanbieter reicht es nicht, nur gut zu sein und höchste Qualität zu liefern, man muss auch effizient und schnell genug sein. Deshalb arbeiten wir an einer gezielten Weiterentwickelung: mehr Standardisierung, mehr Modularität, höherer interner Effizienz und dem Mut, neue Wege zu gehen.

Nach 100 Tagen im Amt: Was möchten Sie bei der BEUMER Group unbedingt bewahren und was wollen Sie verändern?
Bewahren möchte ich ganz klar die Aspekte, die BEUMER stark gemacht haben: das langfristige Denken eines Familienunternehmens, die Nähe zu den Kunden, Partnern und Mitarbeitenden, die Verlässlichkeit und die stets hohe Qualität. Gerade die Haltung, nicht nur in Quartalen, sondern in Generationen zu denken, ist in der heutigen Zeit ein echter Wert. Oder wie es BEUMER nennt: Unternehmensphilosophie “Made Different”. Gleichzeitig will ich dort Veränderungen anstoßen, wo wir klarer, strukturierter und effizienter werden müssen. Es geht darum, Verantwortung sauber zu verankern, Entscheidungen transparenter zu machen und in der Umsetzung konsequenter und schneller zu werden. Beckum hat enormes Potenzial – in der Produktion, in den Abläufen und in der gesamten Wertschöpfungskette.
Mein Ziel ist kein Bruch mit dem Bestehenden, sondern eine Weiterentwicklung aus der Stärke heraus: Damit unser Standort in Beckum nicht nur der Ursprung ist, sondern auch ein sichtbarer und wichtiger Zukunftsstandort der gesamten BEUMER Group.

Nach den ersten 100 Tagen zeichnet sich ab, wohin die Reise gehen soll: Bewährte Stärken erhalten, Strukturen weiterentwickeln und den Standort Beckum als wichtigen Teil der globalen Unternehmensgruppe zukunftsfähig aufstellen. Für Fredrik Sandmark steht dabei fest: Die Zukunft der BEUMER Group soll auf dem Fundament aufgebaut werden, das das Unternehmen über Jahrzehnte stark gemacht hat.

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