19. Mai 2026 / Aus aller Welt

Worst-Case-Klimaszenario angepasst – aber keine Entwarnung

Führende Wissenschaftler gehen nicht mehr davon aus, dass das bisherige Worst-Case-Klimaszenario eintreten wird. Doch das sei kein Grund sich zurückzulehnen, betont das Umweltministerium.

Der Klimawandel trifft auch Deutschland. Hier ein schmelzender Gletscher auf der Zugspitze.

Klimaforscher haben angesichts des Ausbaus erneuerbarer Energien das bisherige Worst-Case-Szenario für die Erderwärmung nach unten korrigiert. Dies sei aber keinesfalls als Entwarnung zu verstehen, betonen sowohl die Klimaforscher als auch das Bundesumweltministerium. 

Bestes Szenario fällt düsterer aus

Denn zugleich haben die Wissenschaftler das Best-Case-Szenario für die Zeit bis zum Ende des Jahrhunderts nach oben korrigiert: Sie gehen davon aus, dass das Ziel, die Erderwärmung unter 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu halten, zumindest zwischenzeitlich gerissen wird. 

Die neuen Szenarien gehen zurück auf Wissenschaftler des World Climate Research Programme, einer Forschungseinheit, deren Arbeiten einfließen in die UN-Klimaberichte, deren Ergebnisse als Grundlage für die Diskussionen bei Weltklimakonferenzen dienen. 

Wachstum erneuerbarer Energien wirkt sich aus

Die Gründe erläutert der Hauptautor, der niederländische Wissenschaftler Detlef van Vuuren, in einem erläuternden Beitrag zu dem Fachartikel. Er verweist dabei unter anderem auf die gesunkenen Kosten erneuerbarer Energien, die in den vergangenen Jahren schneller als erwartet zugelegt haben. Die Folgen seien aber auch in diesem abgeschwächten Szenario mit einer Erderwärmung von 3,5 Grad bis 2100 immer noch gravierend.

Am anderen Ende der Skala fallen selbst die optimistischsten Szenarien nun düsterer aus als in der Vergangenheit. Da die Treibhausgas-Emissionen in den vergangenen Jahren weiter gestiegen seien, sei es nicht mehr möglich, die Erderwärmung durchgehend unter 1,5 Grad zu halten. Bei welchem Szenario die Welt schließlich landet, hängt davon ab, wie effektiv – oder auch nicht – Staaten Klimaschutz betreiben.

Trump feierte

Die Abschwächung des pessimistischsten Szenarios betrachtet das Bundesumweltministerium als Erfolg der Klimapolitik. Doch selbst eine Erwärmung um 1,5 Grad sei nicht zu unterschätzen. «Was eine Welt allein mit 1,5-Grad Erwärmung bedeutet, ahnen wir bereits heute: mehr Dürren, Hitzewellen, Waldsterben, Überschwemmungen oder anderen Wetterextreme.»

US-Präsident Donald Trump hatte den Wegfall des Szenarios in seinem Netzwerk Truth Social gefeiert als vermeintliches Eingeständnis, dass die bisherigen Projektionen falsch gewesen seien. Er schrieb von «Klima-Alarmismus».


Bildnachweis: © Angelika Warmuth/dpa
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