2. April 2026 / Aus aller Welt

Wie verläuft der Sterbeprozess bei einem Wal?

Laut Experten gibt es für den Wal in der Wismarer Bucht kaum noch Überlebenschancen. Doch was passiert, wenn ein Wal stirbt? Und wie würde es danach mit dem Buckelwal weitergehen?

Über Tage hat der festsitzende Wal Deutschland beschäftigt.

Der in der Ostsee vor Wismar liegende Buckelwal hat laut Experten kaum noch Überlebenschancen - die Rettungsversuche wurden eingestellt. Was passiert natürlicherweise mit gestrandeten Walen? Und was soll mit dem Buckelwal nach seinem Tod geschehen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie sterben gestrandete Wale?

«Jede Strandung ist individuell», betont Tom Bär, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund. «Hauptgründe für das Sterben eines Wales am Strand sind Lageschäden, Überhitzung und Vorschädigungen», erläutert er. «In fast allen Fällen führen diese verschiedenen Ursachen, häufig in Kombination, zu einem akuten Herz-Kreislaufversagen.»

Lageschäden entstehen durch die Kombination aus langer Liegezeit und dem hohen Körpergewicht des Tiers. «Größere Wale erleiden dabei Schäden durch die Kompression insbesondere in der Lunge, da sie normalerweise ihr Körpergewicht nicht tragen müssen, sondern durch das Wasser und Luft in der Lunge Auftrieb haben», sagt Bär. Die Lunge werde bei einer Strandung nicht mehr vollständig belüftet, sie könne sich, teilweise durch Gewebeschäden, mit Flüssigkeit füllen. «Dadurch sinkt die Sauerstoffversorgung des Körpers, was unter anderem die Herzfrequenz und den Kreislauf beeinflusst.» 

Auch die Überhitzung hängt mit der Lunge zusammen. Normalerweise wird der Körper des Wales Bär zufolge durch die Atemluft und Körperpartien wie die Fluke gekühlt. «Ist die Lunge geschädigt, ist auch die Kühlung des Körpers beeinflusst.»

Vorschädigungen können auf Nahrungsmangel, Infektionen und auch auf Verletzungen basieren, verursacht etwa durch Fischereinetze und aufgenommene Fremdkörper.

Zum Buckelwal bei Wismar sagt Bär: «Wir können leider den genauen Zustand des Tieres nicht bewerten, da wir es nicht innerlich untersuchen können. Es kann sein, dass dieses Tier mit einer Infektion zu kämpfen oder Organschäden hat.» 

Wie lange überleben Wale normalerweise ohne Nahrung?

«Großwale wie Buckelwale sind natürlicherweise längere Fastenperioden gewohnt», erklärt Bär. Ihr Wanderverhalten sei dadurch gekennzeichnet, dass sie zur Paarungszeit in warme Gewässer wandern, in denen sie reduziert bis gar keine Nahrung zu sich nehmen und hauptsächlich von ihrem aufgebauten Blubber leben - also von ihrer Fettschicht. «Dies kann mehrere Monate in Anspruch nehmen.»

Was soll mit dem Wal bei Wismar nach seinem Tod geschehen?

Sollte eintreten, was Wissenschaftler und Umweltschützer erwarten, wird der Kadaver des Wales nach Stralsund zum Deutschen Meeresmuseum gebracht. Dieses unterhält eine Spezialabteilung für Meeressäuger. Dabei würde es laut Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus aber ausdrücklich nicht darum gehen, ein Skelett für das Museum zu bekommen, sondern allein darum, den Wal zu untersuchen und die Todesursache zu bestimmen.

Bär ergänzt: «Im Falle seines Sterbens soll das Tier im Rahmen einer Sektion wissenschaftlich untersucht werden. Dabei werden sowohl der Körper als auch die Organe untersucht und beprobt.» Hauptaugenmerk liege dabei auf dem Gesundheitszustand des Tieres, der Todesursache und der Frage danach, warum es in den Wochen vor seinem Tod diverse Male aufgesetzt ist. «Dies könnte auch auf Vorerkrankungen hindeuten. Der Zustand des Netzrestes im Maul wird ebenfalls evaluiert.»

Welche Rolle spielt das Netz im Maul des Buckelwals?

In den vergangenen Tagen gab es Diskussionen über das mögliche Fischereinetz im Maul. Ein großer Teil des Netzes - 50 bis 70 Meter - sei bereits Anfang März entfernt worden, hatte Backhaus gesagt. Man wisse aber nicht, wie viel Netzmaterial sich möglicherweise noch im Wal befinde. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Material bereits in das Gewebe des Tieres eingewachsen sei.

Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betont auf ihrer Website: «Auch wenn der Fall dieses Buckelwals extrem traurig und tragisch ist – die Realität ist, dass jedes Jahr rund 300.000 Wale und Delfine weltweit einen ähnlich langen Leidens- bzw. Sterbeweg haben, da sie sich in Fischereigeräten verstricken.» Der Buckelwal in der Ostsee zeige, «wie schlimm die Auswirkungen unserer menschlichen Aktivitäten im Meer sind». 

Was passiert eigentlich, wenn ein Wal auf hoher See stirbt?

Wale erfüllen Bär zufolge eine wichtige Funktion im Nahrungsnetz der Ozeane - sowohl während sie leben als auch nach dem Tod. «Wale sinken nach dem Sterben auf den Boden und stellen dort eine wichtige Nahrungsressource für eine Vielzahl von Arten dar», erklärt der Experte. Zudem werde damit langfristig Kohlenstoff in der Nahrungskette gebunden.


Bildnachweis: © Marcus Golejewski/dpa
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