1. Mai 2026 / Aus aller Welt

Wie eine Fischereimethode Meeresbewohner und Klima schädigt

Bei der Grundschleppnetz-Fischerei schleifen Schiffe Netze über den Meeresboden - regelmäßig auch in Schutzzonen Europas. Dabei zerstören sie Naturräume und schädigen das Klima stark, so eine Studie.

Grundschleppnetze sind klimaschädlich - und teuer für die Gesellschaft. (Archivbild)

Die Fischerei mit schweren Netzen auf dem Meeresboden zerstört einer Studie zufolge wichtige Lebensräume, schädigt das Klima - und belastet die Gesellschaft auch finanziell. Die sogenannte Grundschleppnetz-Fischerei, bei der schwere Netze über den Meeresboden geschleift werden, koste die Gesellschaft in Europa jährlich bis zu 16 Milliarden Euro, schreibt ein Forschungsteam aus den USA und Kanada in der Fachzeitschrift «Ocean & Coastal Management». Die ökonomischen Kosten dieser Praxis übersteigen demnach die Gewinne durch diese Art der Fischerei um etwa das 12- bis 90-Fache.

Hauptverantwortlich dafür seien die massiven Auswirkungen auf das Klima durch die Freisetzung von im Meeresboden gespeichertem Kohlenstoff, heißt es. Für die Untersuchung werteten die Wissenschaftler Daten von mehr als 4.900 solchen Fangschiffen unter europäischer Flagge aus, die von 2016 bis 2021 jährlich durchschnittlich 5,5 Millionen Stunden in den Gewässern der EU sowie von Großbritannien, Norwegen und Island unterwegs waren.

Während die Netto-Gewinne der Industrie auf rund 180 Millionen Euro pro Jahr geschätzt werden, belaufen sich die Kosten für die Allgemeinheit der Studie zufolge auf jährlich rund 2 bis 16 Milliarden Euro. Die Schwankungsbreite ergibt sich aus unterschiedlichen Bewertungen der sozialen Kosten einer Tonne Kohlendioxid (CO2).

Fischerei auch in Meeresschutzgebieten

Der Studie zufolge setzte das Aufwühlen des Sediments von 2016 bis 2021 jährlich etwa 112 Millionen Tonnen CO2 frei. Das sei fast ein Drittel der weltweiten Emissionen aus dem Meeresboden durch Grundschleppnetz-Fischerei, die das Team um Katherine Millage von der Umweltorganisation Pristine Seas auf bis zu 370 Millionen Tonnen pro Jahr schätzt.

Besonders kritisch bewerten die Autoren die ökologischen Folgen der Praxis. Der Analyse zufolge erfolgten in Europa zeitmäßig etwa 23 Prozent der Grundschleppnetz-Fischerei in Meeresschutzgebieten. In Ländern wie Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Spanien waren es demnach sogar mehr als 25 Prozent.

Verbot von Grundschleppnetzen in europäischen Schutzgebieten?

Die schweren Netze, die teilweise so groß sind wie zwölf Flugzeuge vom Typ Boeing 747, pflügen demnach den Meeresboden um und zerstören dadurch wichtige Lebensräume. Dies beeinträchtige die Regenerationsfähigkeit der Bestände von Fischen und anderen Meeresbewohnern massiv, betonen die Forschenden. Trotz des hohen Aufwands trägt die Fischereimethode den Forschern zufolge nur zu zwei Prozent zum in Europa konsumierten tierischen Protein bei. 

Die Studienautoren fordern daher als ersten Schritt ein Verbot von Grundschleppnetzen in Schutzgebieten. Zudem könne eine generelle Halbierung dieser Aktivitäten den gesellschaftlichen Nutzen maximieren und die überfischten Meere wiederbeleben. Griechenland und Schweden haben bereits angekündigt, die Praxis in ihren Schutzgebieten bis 2030 zu verbieten - dies entspricht auch dem generellen Aktionsplan der Europäischen Kommission.

Schätzung: Weltweit sterben 300.000 Wale und Delfine in Netzen

Zusätzlich verweist das Forschungsteam darauf, bei bis zu 75 Prozent der in diesen Netzen gefangenen Meeresbewohner handele es sich um Beifang. Dies können auch Delfine und Wale sein, die Fischen in den Netzen nachstellen. 

Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) schätzt, dass jährlich weltweit mehr als 300.000 Wale und Delfine in Fischernetzen ersticken - allerdings in verschiedenen Arten von Netzen. Auch der in der deutschen Ostsee mehrfach gestrandete Buckelwal hatte sich Berichten zufolge in einem Netz verfangen, vermutlich in einem Stellnetz.


Bildnachweis: © Bernd Wüstneck/dpa
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