22. August 2025 / Aus aller Welt

Von wegen «die» Giraffe: Vier verschiedene Arten anerkannt

Jedes Kind weiß, wie eine Giraffe aussieht. Das Tier mit dem langen Hals, schon klar. Aber nun stellt sich heraus: Giraffe ist nicht gleich Giraffe.

Eine Netz-Giraffe im Samburu National Park, Kenia.

Es gibt nicht nur «die Giraffe», sondern vier verschiedene Arten. Das hat die Weltnaturschutzunion (IUCN) - ein Dachverband mehrerer Umweltorganisationen - in Genf nun offiziell anerkannt. Grundlage für die Neubewertung sind zehn Jahre Forschungsarbeit unter Leitung des Senckenberg-Forschungszentrums in Frankfurt und der Giraffe Conservation Foundation (GCF) in Namibia.

Lange Zeit glaubte man, dass es sich bei den afrikanischen Tieren mit dem langen Hals um eine einzige Art handelt – eben: die Giraffe. «Unsere umfangreichen genetischen und morphologischen Untersuchungen haben diese Annahme eindeutig und endgültig widerlegt», erläutert Senckenberg-Evolutionsgenetiker Axel Janke. «Unsere genetischen Analysen zeigen, dass die Unterschiede zwischen den Giraffenarten ebenso deutlich sind wie jene zwischen Braun- und Eisbären.»

Nord-Giraffe, Süd-Giraffe, Netz-Giraffe Massai-Giraffe 

Bereits 2016 hatte Jankes Team gemeinsam den Partnern aus Namibia erste Forschungsergebnisse veröffentlicht, die auf «genetische Divergenzen» hinwiesen. Wissenschaftler sammelten dafür Gewebeproben von Giraffen aus ganz Afrika. Sie untersuchten das Erbgut von 50 Giraffen und fanden schließlich vier eigenständige Arten: die Nord-Giraffe, die Süd-Giraffe, die Netz-Giraffe und die Massai-Giraffe.

Die Forschungen ergaben auch, dass sich die vier Linien bereits vor etwa 230.000 bis 370.000 Jahren unabhängig voneinander entwickelten. Die verschiedenen Giraffenarten paaren sich in freier Wildbahn nicht. Eine morphologische Studie an Giraffenschädeln stützt die genetischen Befunde.

Wieso das wichtig ist

«Die amtliche Anerkennung der vier Arten ist kein bloßes Detail der Wissenschaft, sondern hat unmittelbare Auswirkungen auf den Schutz der Giraffen», erklärte GCF-Mitbegründer Julian Fennessy. «Jede Giraffenart benötigt spezifisch angepasste Schutzstrategien. Durch die offizielle Anerkennung können wir diese nun zielgerichtet entwickeln.»


Bildnachweis: © -/GCF/dpa
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