14. April 2023 / Aus aller Welt

«Suche Wohnung» - Berlinerin setzt sich ins Schaufenster

Eine «bezahlbare» Wohnung in der deutschen Hauptstadt zu finden, scheint fast ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Eine Frau aus Kreuzberg hat daher zu einem ungewöhnlichen Mittel gegriffen.

Joana V., Künstlerin, macht mit ihrer Kunstperformance im Schaufenster auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum aufmerksam.

Um auf die angespannte Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt aufmerksam zu machen, hat eine Kreuzbergerin zu ungewöhnlichen Mitteln gegriffen: Zwischen Koffern und Kartons sitzt die Wohnungssuchende seit Donnerstag im Schaufenster einer Kreuzberger Galerie und hält ein Schild mit der Aufschrift «Suche Wohnung» in den Händen.

Im Rahmen der mehrtägigen Kunstperformance nehme die Anwohnerin täglich zwischen 12 Uhr und 20 Uhr in dem Schaufenster in der Falckensteinstraße Platz, teilte die Nachbarschaftsinitiative Bizim Kiez am Freitag mit.

Das Untermietverhältnis der Kreuzbergerin, die seit Jahren im Wrangelkiez lebe, sei grundlos gekündigt worden. Die Suche nach einer neuen, bezahlbaren Unterkunft verlaufe aber seit Monaten vergeblich. Die Initiative kritisiert, dass Eigentümer und Immobilienunternehmen Wohnungen zu «Mondpreisen» anböten. Hinzu käme, dass immer mehr Wohnungsbesitzer Eigenbedarf ankündigten. Die Schaufenster-Aktion wecke bei vielen Passanten Interesse - ein Mietangebot habe die Kreuzbergerin aber noch nicht erhalten.

Die Wohnungsnot in Berlin hat sich in den vergangenen Jahren zugespitzt. Sichtbar deutlich machte das zuletzt eine über hundert Meter lange Warteschlange für eine Wohnungsbesichtigung in Berlin-Charlottenburg. Hinzu kommen die hohen Preise. Ein WG-Zimmer kostet im Sommersemester 2023 im Schnitt 640 Euro, wie das Moses Mendelssohn Institut (MMI) in Kooperation mit dem Immobilienportal WG-gesucht.de vor wenigen Wochen in einer Studie veröffentlichte. Das seien 140 Euro (plus 28 Prozent) mehr als noch vor zwölf Monaten. Berlin sei damit die zweitteuerste Stadt nach München.


Bildnachweis: © Christoph Soeder/dpa
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