24. Juli 2024 / Aus aller Welt

Studie: Metallknollen in der Tiefsee erzeugen Sauerstoff

Der erste kommerzielle Bergbau auf dem tiefen Meeresboden könnte kurz bevorstehen. Experten warnen vor großen Gefahren für die Umwelt. Eine Studie wirft nun neue Fragen auf.

Manganknollen können einer Studie zufolge auf dem Meeresboden Sauerstoff erzeugen. (Archivbild)

Auf dem dunklen Meeresboden der Tiefsee haben Forscher Hinweise auf Sauerstoffproduktion durch metallhaltige Knollen entdeckt. Nach einer Studie im Fachmagazin «Nature Geoscience», vermuten die Wissenschaftler, dass der «dunkle Sauerstoff» durch Elektrolyse des Meerwassers entsteht - dieses also in Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt wird. Das widerspräche der bisherigen Annahme, dass in der Tiefsee Sauerstoff nur aufgenommen und nicht erzeugt wird. Zur Sauerstoffherstellung durch Photosynthese braucht es Sonnenlicht.

Auf den sogenannten Manganknollen maßen die Forscher - darunter auch Deutsche - eine elektrische Spannung. Sie könnten wie Batterien funktionieren, sagte der Hauptautor der Studie, Andrew Sweetman von der Scottish Association for Marine Science, den Sendern BBC und CNN.

Kommerzieller Abbau von Manganknollen geplant

Sweetmans Team hatte in der sogenannten Clarion-Clipperton-Zone im Pazifik zwischen Mexiko und Hawaii geforscht - auf dem Meeresboden auf 4.000 bis 6.000 Metern Tiefe. Dort will der kanadische Konzern The Metals Company als erstes Unternehmen kommerziellen Tiefseebergbau betreiben. Einen entsprechenden Antrag will er noch in diesem Jahr bei der Internationalen Meeresbodenbehörde ISA in Jamaika einreichen. Bei der ISA diskutieren die Mitgliedstaaten derzeit über den Umgang damit.

Beim Tiefseebergbau werden die Manganknollen auf dem Meeresboden abgebaut. Sie entstehen über Millionen Jahre aus Ablagerungen und enthalten Rohstoffe wie Mangan, Kobalt, Kupfer und Nickel, die in der Herstellung von Batterien etwa für Elektroautos verwendet werden könnten. Zahlreiche Experten warnen allerdings vor verheerende Folgen für das Ökosystem der Tiefsee und stellen die Notwendigkeit für die Energiewende infrage.

«Diese Studie liefert einen neuen Beweis dafür, dass Tiefseebergbau ein Blindflug ist», sagte Greenpeace-Meeresexpertin Daniela Herrmann. «Wenn die Industrie mit dem Plündern der Manganknollen in der Tiefsee beginnt, wird dieser die Luft zum Atmen genommen.»


Bildnachweis: © picture alliance / dpa
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