19. August 2026 / Aus aller Welt

Schwarze-Witwe-Männchen vererben Trick gegen Tod beim Sex

Bestimmte Spinnen fressen nach der Paarung ihre Partner. Die Männchen einer australischen Art verringern das Risiko durch einen speziellen Rückwärtssalto beim Sex. Dieser Trick wird wohl vererbt.

Die Männchen der Rotrückenspinne haben einen sportlichen Trick, um die Paarung mit der auch "Schwarze Witwe" bezeichneten Spinne zu überleben.

Männchen einer australischen Spinnenart haben einen sportlichen Tick, um die Paarung mit einer sogenannten «Schwarzen Witwe» zu überleben. Dieses Wissen vererben sie auch an ihre Nachkommen weiter, wie Biologen der Universitäten Hamburg, Trier und Rostock herausgefunden haben. Für ihre Untersuchungen haben die Forscher die australische Rotrückenspinne (Latrodectus hasselti) – die mit dem sportlichen Trick – mit der eng verwandten, neuseeländischen Roten Katipo (Latrodectus katipo) mehrfach gekreuzt.

Rückwärtssalto beim Sex – mitten in die Giftzähne des Weibchens

Die australischen Rotrückenspinnen-Männchen vollführen beim Sex eine Art Rückwärtssalto in die Giftzähne des Weibchens. Gleichzeitig verengt sich der Hinterleib so stark, dass der Biss des Weibchens weniger tödlich ist. Dadurch steigen ihre Überlebenschancen und sie können sich ein zweites Mal mit dem Weibchen paaren.

Die Männchen der neuseeländischen Roten Katipo springen dagegen keinen Salto und der Hinterleib verengt sich nicht. Die Weibchen dieser Art töten und fressen ihre Partner allerdings auch nicht.

«Da sich die beiden Arten erst vor etwa 100.000 Jahren voneinander getrennt haben, bietet ihr unterschiedliches Paarungsverhalten eine Möglichkeit, die genetischen Grundlagen dieser Verhaltensmuster zu untersuchen», sagte die Erstautorin Kardelen Özgün Uludağ von der Universität Hamburg. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift «Biology Letters» veröffentlicht.

Gene steuern das ungewöhnliche Verhalten

Die beiden Spinnenarten wurden mehrfach gekreuzt: Erst die neuseeländischen Weibchen mit den australischen Männchen, dann die daraus hervorgegangenen Hybrid-Weibchen mit Männchen einer der beiden Arten. So entstanden den Angaben zufolge Männchen mit unterschiedlichen Kombinationen des Erbguts beider Arten.

Diese dritte Generation der Männchen wurde dann wiederum mit Weibchen der für sie ungefährlichen, neuseeländischen Art gepaart. «Fast die Hälfte der Männchen der dritten Generation vollführte ebenfalls Saltos, zeigte aber keine Verengung des Hinterleibs», sagte die Co-Autorin und Biologin Jutta Schneider.

Das spreche dafür, das die beiden Merkmale genetisch weitgehend unabhängig voneinander vererbt werden – zum Beispiel, weil sie auf unterschiedlichen Chromosomen liegen oder auf demselben Chromosom weit voneinander entfernt. Die Wissenschaftler wollen nun erforschen, welche konkreten Gene dieses ungewöhnliche Verhalten steuern und wie sie sich im Verlauf der Evolution entwickelt haben.


Bildnachweis: © Miriam Scriba/UHH/dpa
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