1. Januar 2026 / Aus aller Welt

Rekord bei Gewebespenden - Kliniken melden mehr Spender

Mehr als 9.600 Menschen erhielten 2025 Gewebetransplantate wie Augenhornhäute oder Herzklappen – ein neuer Höchstwert. Dennoch besteht weiterhin ein Mangel an Spendergewebe.

In einer Gewebebank zeigt eine Mitarbeiterin den Brutschrank mit präparierter menschlicher Hornhaut.

Bei den Gewebespenden in Deutschland gibt es erneut einen Rekord: 9.640 Menschen haben Augenhornhäute, Herzklappen oder andere Transplantate aus dem Netzwerk der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) erhalten. Das seien 15,2 Prozent mehr als im Vorjahr, berichtete die gemeinnützige Organisation, die nach eigenen Angaben etwa die Hälfte der Gewebetransplantate in Deutschland vermittelt und auch nur darüber Auskunft geben kann.

Die Anzahl der Meldungen, der Aufklärungsgespräche und damit auch der Menschen, die Gewebe gespendet haben, sei im vergangenen Jahr erkennbar höher gewesen als 2024. Prozentual habe es 2025 aber nicht mehr Zustimmung zur Gewebespende gegeben. Die Zustimmungsquote der An- und Zugehörigen von Verstorbenen habe 37,9 Prozent betragen, ein marginaler Rückgang um 0,2 Prozent. Alle Angaben sind noch vorläufig und beziehen sich auf den Stichtag 29. Dezember 2025. 

Rund 4.000 Menschen spendeten nach Ihrem Tod über das Netzwerk ihre Augenhornhäute. Es konnten über die Organisation zwar 16 Prozent mehr Patientinnen und Patienten ihr Augenlicht erhalten oder wiedererlangen. Dennoch bestehe weiterhin ein Mangel an Augenhornhäuten und anderen Geweben. Besonders eklatant sei er bei Herzklappen: «Diese wurden zu 84,4 Prozent im Rahmen einer Organspende entnommen, wenn das gesamte Herz für eine Organtransplantation medizinisch nicht infrage kam.» Auch bei den Herzklappen stiegen die Spenderzahlen, dennoch konnte die DGFG nur weniger als die Hälfte dieser Anfragen erfüllen.

Oft müssen Angehörige entscheiden

«Im Gegensatz zur Organspende ist die Gewebespende der breiten Bevölkerung oft unbekannt», schreibt die Organisation. Der Wille der verstorbenen Person bezüglich der Gewebespende sei daher oft nicht bekannt. «Wird das Thema zu Lebzeiten mit An- und Zugehörigen besprochen, erleichtert man ihnen eine schwierige Entscheidung in einer mehr als herausfordernden Situation», schreibt die Organisation. Seinen Willen kann man auch auf dem Organspendeausweis hinterlassen und im Organspende-Register. 

Der Zuwachs an Spenden sei auch der Tatsache zu verdanken, dass immer mehr Kliniken in Deutschland potenzielle Spenderinnen und Spender melden und die Gewebespende in ihr Selbstverständnis integrierten, sagte DGFG-Geschäftsführer Martin Börgel. «Das ist in einer Zeit, in der die Kliniken und ihr Personal so stark belastet sind, keine Selbstverständlichkeit.»


Bildnachweis: © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
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