15. April 2026 / Aus aller Welt

Überraschende Wendung - ambitionierter Wal-Rettungs-Versuch

Endstation Kirchsee vor der Insel Poel - danach sah es zuletzt für den dort gestrandeten Buckelwal aus. Nach einer überraschenden Wende soll ein ambitioniertes Vorhaben nun doch das Tier retten.

Der Buckelwal war auch am Mittwoch deutlich zu hören.

Für den bei Wismar gestrandeten Buckelwal sah zuletzt alles danach aus, dass seine Reise vor der Insel Poel enden würde. Experten hatten erklärt, dem kranken und geschwächten Tier könne nicht sinnvoll geholfen werden. Es sei das Beste, ihn in Ruhe und Würde sterben zu lassen. Bei einer Pressekonferenz in Schwerin kündigte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) nun eine Kehrtwende an. 

Demnach hat er grünes Licht gegeben für ein Rettungskonzept, das vorsieht, den Wal lebend zu bergen und bis in die Nordsee und gegebenenfalls in den Atlantik zu bringen. «Insofern tritt jetzt eine neue Situation ein», sagte Backhaus. Er sei zwar noch vorsichtig, aber «doch ziemlich glücklich». Die Entscheidung sei Mittwochmittag getroffen worden.

Ambitioniertes Rettungskonzept

Den Angaben zufolge soll der Bereich unter den Brustflossen des Wals, den Flippern, zunächst freigespült werden. Anschließend soll das Tier mithilfe von Luftkissen angehoben und eine Plane unter das Tier geführt werden. Auf dieser zwischen zwei Pontons gespannten Plane soll der Wal dann abtransportiert werden. Ein Schlepper soll die beiden Pontons ziehen. Dieses ambitionierte Vorhaben sei in seiner Form nach seiner Kenntnis einzigartig, sagte Backhaus.

Hinter dem Konzept stünden die Unternehmer Karin Walter-Mommert und Walter Gunz. Gunz ist als Mediamarkt-Gründer bekannt, Walter-Mommert aus dem Pferdesport. Die Verantwortung liege komplett bei den Initiatoren, betonte Backhaus, auch finanziell. «Die haben unser Haus komplett freigestellt.»

«Plötzlich als der Retter der Nation erschienen»

Gunz erzählte der Deutschen Presse-Agentur, er selbst sei von Bekannten gefragt worden, ob man für den Wal nicht etwas tun könne. «Dann bin ich plötzlich als der Retter der Nation erschienen, obwohl ich vom Typ her eigentlich überhaupt kein Held bin.» 

Zu den erwarteten Kosten der Aktion gab Gunz an, die Dimension nicht abschätzen zu können. Das Ganze werde «schon nicht hundert Millionen kosten», sagte er. «Die Leute denken immer zu viel an Geld. Man darf sich da nicht verkrampfen. Geld ist eine Energie und man muss sorgfältig damit umgehen.» Geld, Kraft und Energie müsse man für das Richtige und Gute einsetzen. 

Die Maßnahmen sollten laut Backhaus unverzüglich starten. Noch am Mittwoch sollten demnach Taucher ins Wasser gehen, die Kontakt zu dem Tier aufnehmen und es beruhigen sollen. Dabei soll auch der Untergrund untersucht werden. Am Donnerstagmorgen könnten den Angaben zufolge weitere Vorbereitungsmaßnahmen erfolgen, und am Freitag könnte der Wal demzufolge bereits auf die Reise gehen.

Deutsches Meeresmuseum: waren nicht eingeweiht

Backhaus betonte, dass es sich um minimalinvasive Eingriffe handle. Die Maßnahmen werden laut Ministerium veterinärmedizinisch begleitet. Experten hatten immer wieder gesagt, dass es dem Tier, das wiederholt gestrandet und auch in Netze geraten war und starke Hautprobleme zeigt, nicht gut geht. 

«Er ist nicht aktiv, er ist erst recht nicht agil, aber er zeigt, dass da Leben noch drinsteckt», sagte auch Backhaus nochmals. «Er hat sicher schwere Schäden, das ist so.» Aber vielleicht gelinge die Rettung dennoch. 

Das Deutsche Meeresmuseum, das bislang eng in die Bewertung der Lage des Wals eingebunden war, teilte nach der Pressekonferenz mit, dass es «nicht in die Vorbereitungen der aktuell geplanten Lebendbergung des Buckelwals vor Poel einbezogen wurde». Auch das gesamte Konzept liege dem Museum nicht vor. «Die Fachleute erfuhren davon aus der Pressekonferenz.»

Schicksal des Wals sorgt für starke Emotionen

Backhaus erklärte: «Die jetzige Entscheidung ist keine Abkehr davon, sondern eine verantwortungsvolle Neubewertung auf Basis neuer fachlicher Möglichkeiten.» Das vorliegende Konzept sei unter Berücksichtigung des Bundesnaturschutzgesetzes sowie des Tierschutzrechts geprüft worden.

«Mehr als einmal sterben kann er ja nicht», sagte Gunz der dpa. Ohne die Aktion werde Wal Timmy in jedem Fall sterben. «Wenn man was versucht, dann hat man zumindest die Chance, dass man ihn rettet.»

Die Situation des Wals hatte zuletzt für starke Emotionen gesorgt. Von Anfeindungen und sogar Morddrohungen gegen Beteiligte war die Rede. Menschen protestierten vor Ort und drangen in einen Sperrbereich ein. Am Wochenende musste die Wasserschutzpolizei sogar eine Frau in der Nähe des Wals aus dem Wasser holen, nachdem sie von einem Ausflugsschiff gesprungen war. Inzwischen begleitet die Wasserschutzpolizei das Schiff bei seinen täglichen Fahrten teils mit einem Schlauchboot. Menschen wollten auch gerichtlich Hilfsaktionen durchsetzen, bislang ohne Erfolg.


Bildnachweis: © Bernd Wüstneck/dpa
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