25. März 2026 / Aus aller Welt

Keimfabrik Kita: Warum Kinder in Betreuung so oft krank sind

Etliche Eltern hat es schon verzweifeln lassen: Kaum in der Kita eingewöhnt, sitzt der Knirps schon wieder daheim - mit Fieber, Ausschlag, Husten. Ganz normal, sagen Forscher, und haben Trost parat.

Viele Eltern kennen das: Kaum war der Knirps ein paar Tage in der Kita, ist er schon wieder krank. (Symbolbild)

Viele Eltern kennen das: Kaum war der Knirps ein paar Tage in der Kita, ist er schon wieder krank. Tatsächlich machen Kleinkinder im ersten Kitajahr besonders viele Infektionen durch, bestätigt eine Analyse britischer Forschender. Ein einjähriges Kind, das in die Kindertagesstätte kommt, hat demnach in den ersten zwölf Monaten typischerweise etwa 12 bis 15 Atemwegsinfekte, zwei Magen-Darm-Erkrankungen und ein oder zwei Hautausschlag verursachende Infektionen wie das Dreitagefieber. Dies habe emotionale und teils auch finanzielle Folgen für Familien.

Gerade die Auswirkungen für berufstätige Eltern seien erheblich. In Deutschland können beide Elternteile zusammen 15 Arbeitstage pro Jahr und gesetzlich krankenversichertem krankem Kind freinehmen, bei mehreren Kindern summiert sich der Anspruch auf bis zu maximal 70 Tage. Gerade im ersten Kitajahr könne das durchaus mal eng werden, sagte Tanja Brunnert vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ).

«Arbeitgeber müssen anerkennen, dass es normal ist, dass Eltern kleiner Kinder regelmäßig von der Arbeit freinehmen müssen, um ihre Kinder zu betreuen, und sie auch anfälliger dafür sind, selbst krank zu werden», sagte Co-Autorin Lucy van Dorp vom University College London (UCL). Von Jahr zu Jahr bessere sich die Lage merklich.

Für die ersten Schuljahre ein Vorteil

Längerfristig betrachtet gibt es der im Fachjournal «Clinical Microbiology Reviews» veröffentlichten Übersichtsarbeit zufolge auch einen positiven Effekt: In den ersten Schuljahren sind Kinder, die eine Kita besucht haben, seltener krank als nicht in Gemeinschaftseinrichtungen betreuter Nachwuchs. Der frühe Kontakt scheine einen gewissen Schutz für die ersten Schuljahre zu bieten, wahrscheinlich aufgrund der erworbenen Immunität gegen häufige Infektionen. Das bedeute auch, dass eine längere Betreuung von Kindern zu Hause in der Summe wahrscheinlich keine Lösung für das Problem darstelle, sondern nur ein Aufschieben.

Der Grund für die Analyse des Teams war ein ganz persönlicher: «Als Eltern waren wir alle überrascht, wie oft unsere insgesamt neun Kinder nach dem Start in der Kindertagesstätte krank wurden», sagte van Dorp. «Also haben wir uns zusammengetan, um zu untersuchen, wie oft ein Kind, das in die Kindertagesstätte kommt, im ersten Jahr krank wird, und was man dagegen tun kann.» Häufige Erkrankungen nach dem Start in der Kindertagesstätte sind demnach völlig normal und sagen in der Regel weder etwas über den Gesundheitszustand des Kindes oder der Eltern noch über die Hygiene der Betreuungseinrichtung aus.

Alle zwei Wochen ein Infekt - ganz normal

Statistiken gebe es in Deutschland nicht, aber aus dem Alltag von Kinderärzten lasse sich bestätigen, dass Kleinkinder im ersten Betreuungsjahr besonders oft krank sind, sagte Brunnert. Alle zwei Wochen ein banaler Infekt sei gerade in den Wintermonaten völlig normal. «Banal bezieht sich hier auf die Schwere der Erkrankung, nicht auf die daraus entstehende Belastung in der Familie.»

«Neugeborene verfügen dank der von der Mutter übertragenen Antikörper über einen gewissen Schutz vor Infektionen, doch dieser lässt im ersten Lebensjahr nach», erklärte UCL-Forscher Leo Swadling, einer der Autoren. Dadurch würden Kleinkinder anfälliger für Infektionen. Ihr unerfahrenes Immunsystem sei etlichen Erregern noch nie begegnet – Kitas seien dann eine Art Bootcamp und bauten die Widerstandskraft für die Folgejahre auf.

Wann darf das Kind wieder in die Kita?

Zentral sei, dass Eltern ihre Kinder zu Hause behalten, solange sie krank sind – und je nach Art der Infektion auch noch ein oder zwei Tage danach, sagte Mitautorin Charlotte Houldcroft von der Universität Cambridge. «Auch wenn Infektionen in der Kindertagesstätte normal und weit verbreitet sind, ist es wichtig, alles zu tun, um ihre Ausbreitung einzudämmen.»

Leider komme es gelegentlich vor, dass Kinder verfrüht wieder in die Kita gebracht würden, sagte Brunnert. «Dies wird weder dem Kind noch dem Betreuungspersonal gerecht.» Es gebe eine einfache Regel zur Orientierung: «Wenn das Kind 24 Stunden frei von Symptomen wie Fieber oder Durchfall ist und Eltern abends feststellen: "Heute wäre es fit gewesen für die Kita", dann darf es am nächsten Tag wieder gehen.»

Die Forscher um van Dorp betonen auch, dass Impfungen nach wie vor der beste Schutz vor Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sind. «Impfungen senken die Krankheitslast und sind derzeit unser bestes Mittel zur Vorbeugung und Linderung von Kinderkrankheiten.»


Bildnachweis: © Maximilian von Klenze/dpa
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