16. August 2025 / Aus aller Welt

Kaffeetrinker nach der ersten Tasse morgens besser gelaunt

Ein bekanntes Sprichwort besagt: «Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen.» Wissenschaftler aus Bielefeld und Warwick haben das Phänomen nun überprüft. Es geht um alle koffeinhaltigen Getränke.

Der Start in den Tag mit Kaffee ist für die meisten Menschen ein jahrzehntelanges Ritual. (Symbolbild)

Regelmäßige Kaffeetrinker sind einer Studie zufolge nach einer Tasse am Morgen meist in besserer Stimmung als zuvor. Die Befragten fühlen sich dann deutlich glücklicher und enthusiastischer als an anderen Tagen, an denen sie zur gleichen Uhrzeit keinen Kaffee oder andere koffeinhaltige Getränke trinken. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschenden der Universität Bielefeld und der britischen University of Warwick, die in der Fachzeitschrift «Scientific Reports» veröffentlicht wurde. 

Koffein wirkt der Studie zufolge auch gegen negative Stimmungslagen wie Traurigkeit oder Ärger – aber dieser Zusammenhang ist weniger stark und hängt nicht von der Uhrzeit ab.

Die Wissenschaftler befragten 236 junge Erwachsene, die generell Koffein konsumieren, über einen Zeitraum von bis zu vier Wochen. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen beantworteten siebenmal täglich einen kurzen Fragebogen auf ihrem Handy. Sie gaben an, wie ihre aktuelle Stimmung ist – und ob sie in den vorangehenden 90 Minuten ein koffeinhaltiges Getränk getrunken haben.

Eine Blockade im Gehirn

Die stimmungsaufhellende Wirkung erklären die Forschenden so: Koffein blockiere die Adenosin-Rezeptoren im Gehirn, wodurch man sich wacher und energiegeladener fühlt. Rezeptoren sind eine Art winzige Antennen – und an diese dockt oft ein Stoff an, der uns müde macht: Adenosin.

Co-Autorin Professorin Anu Realo PhD von der University of Warwick erklärt: «Koffein wirkt, indem es Adenosin-Rezeptoren blockiert, was die Dopaminaktivität in wichtigen Hirnregionen erhöhen kann – ein Effekt, den Studien mit einer verbesserten Stimmung und gesteigerter Wachsamkeit in Verbindung gebracht haben.» Dopamin ist als Glückshormon bekannt. 

Offene Fragen

Die Autoren wiesen auch auf eine offene Frage und eine Besonderheit der Studie hin. Offen ist demnach, ob die Effekte am Morgen mit einer Verringerung von Entzugserscheinungen zusammenhängen, die sich während der Nacht gebildet haben. «Selbst Menschen mit nur mäßigem Koffeinkonsum können leichte Entzugserscheinungen verspüren, die mit dem ersten Kaffee oder Tee am Morgen verschwinden», so Anu Realo. 

Und: Die Forschenden erwarteten, dass Menschen, die generell sehr ängstlich sind, nach dem Koffein-Konsum negative Stimmungsveränderungen erleben – etwa eine erhöhte Nervosität. «Es ist jedoch möglich, dass Personen, die wissen, dass sie nicht gut auf Koffein reagieren, einfach kein Koffein trinken», erklärt der Erstautor der Studie, Justin Hachenberger, von der Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft der Universität Bielefeld. Solche Personen seien in der Studie nicht vertreten, da nur die Daten von Koffein-Konsumenten ausgewertet wurden.

Koffeinkonsum: eine weltweite Gewohnheit

«Weltweit konsumieren etwa 80 Prozent der Erwachsenen koffeinhaltige Getränke und der Konsum von Tee und Kaffee reicht geschichtlich weit zurück», sagt Sakari Lemola von der Universität Bielefeld, ein Co-Autor der Studie. «Sogar bei wildlebenden Tieren ist Koffeinkonsum belegt, so bevorzugen Bienen- und Hummelarten Nektar von Pflanzen mit Koffeingehalt.» Das Forschungsteam weist darauf hin, dass Koffeinkonsum zu Abhängigkeit führen kann.


Bildnachweis: © Sebastian Gollnow/dpa
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