Die Bindung zwischen Mensch und Hund ist oft eng - doch beim Erkennen von Schmerzen ihrer Tiere stoßen viele Halter an Grenzen. Insbesondere subtile Verhaltensänderungen würden häufig falsch interpretiert, schreiben drei Forscherinnen der Universität Utrecht im Fachjournal «PLOS One». Entscheidend für eine bessere Einschätzung scheint demnach persönliche Erfahrung zu sein. Das Team um Ineke van Herwijnen untersuchte die Fähigkeit von 530 Hundebesitzern und 117 Menschen ohne Hund, Anzeichen für Schmerzen bei Hunden zu identifizieren. Die Ergebnisse verdeutlichen eine Wissenslücke: Während offensichtliche Symptome, die die Bewegungsfähigkeit beeinträchtigen, von fast allen Teilnehmern korrekt als Schmerz gedeutet wurden, fiel die Bewertung bei subtileren Anzeichen deutlich schwerer. Zu diesen schwer erkennbaren Signalen gehören laut der Studie etwa ein verändertes Verhalten, nächtliche Unruhe und das ständige Verfolgen von Familienmitgliedern. Kurioserweise schnitten die Hundebesitzer beim Erkennen dieser Nuancen nicht deutlich besser ab als Menschen ohne eigenen Hund. Die Forscherinnen vermuten, dass Halter bestimmte Reaktionen wie etwa das Wegdrehen des Kopfes eher als Zeichen von Stress oder Angst interpretieren statt als Hinweis auf körperliches Leid. Einen messbaren Unterschied machte hingegen die Erfahrung: Halter, deren Hunde bereits eine schmerzhafte Erkrankung oder einen Unfall erlebt hatten, zeigten eine höhere Sensibilität für subtile Symptome wie etwa ein verändertes Aussehen oder verringerte Spielfreude. Auch die eigene Schmerzhistorie der Teilnehmer spielte eine Rolle. Menschen, die selbst bereits schmerzhafte Erfahrungen durch Unfälle oder Krankheiten hatten, werteten Verhaltensweisen wie vermehrtes Blinzeln oder Gähnen häufiger als mögliche Schmerzhinweise. Die Studienautorinnen betonen, dass ein verspätetes Schmerzerkennen das Wohlbefinden der Tiere erheblich beeinträchtigt und das Risiko für Verhaltensprobleme, einschließlich Aggressionen, erhöht. Da Schmerzen oft die Ursache für unerwartetes Beißverhalten sein könnten, sei die korrekte Deutung der Körpersprache auch für die Sicherheit von Menschen wichtig. Die Forscherinnen plädieren für eine verstärkte Aufklärung von Hundehaltern über die Bandbreite möglicher Schmerzsignale. «Bildungsangebote zum Hundeverhalten könnten das Tierwohl fördern, indem sie gezielt subtile Schmerzanzeichen ansprechen», schreiben sie. Der Deutsche Tierschutzbund bewertet die Ergebnisse der Studie auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur als nicht überraschend. «Die Erkennung von Schmerzen bei Haustieren ist häufig nicht ganz einfach», sagt Lisa Hoth-Zimak, Fachreferentin für Heimtiere. Schmerzen bei Hunden könnten sich beispielsweise folgendermaßen äußern: «Schon lange fordern wir den Nachweis einer theoretischen Sachkunde vor der Anschaffung eines Hundes», betont Hoth-Zimak. Halter müssten grundlegende Kenntnisse zu richtiger Auswahl, Sozialisierung, tierschutzgerechtem Umgang, Haltung und Training eines Hundes nachweisen können. «Sind Hundebesitzer sachkundig, hat dies sowohl für Menschen als auch Tiere Vorteile und kann Tierheime, tierärztliche und humanmedizinische Notdienste entlasten und das Zusammenleben verbessern.» Bereits 2024 erschien eine Studie mit ähnlichen Ergebnissen wie in der aktuellen Untersuchung. Hundevideos in sozialen Medien suggerieren demnach oft fälschlicherweise, dass sich die Tiere wohlfühlen. Die Autoren der Studie, die in der Fachzeitschrift «Applied Animal Behaviour Science» veröffentlicht wurde, warnten, Stresssignale von Hunden würden häufig übersehen. Das Forscherteam analysierte 190 beliebte Videos und stellte fest, dass Hunde darin oft Unbehagen, Furcht oder Verwirrung zeigten, während Menschen eifrig Likes verteilten. Typische Stressindikatoren wie das Abwenden des Kopfes, Gähnen, Blinzeln oder angelegte Ohren werden den Autoren zufolge oft als amüsant missverstanden. Besonders Umarmen kann auf Hunde einschüchternd wirken, während das Lecken am Mund häufig Unterwürfigkeit statt Zuneigung bedeutet.Erfahrung macht den Unterschied
Schmerzen können zu Aggressionen führen
Tierschutzbund ordnet Studie ein
Studie von 2024 mit ähnlichen Ergebnissen
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Hundebesitzer erkennen Schmerzen bei ihren Tieren oft nicht
Viele Hundebesitzer übersehen laut einer Studie Anzeichen von Schmerzen bei ihren Tieren. Erfahrung und Aufklärung sind für das Wohl der Vierbeiner entscheidend. Wie erkennt man Schmerzen beim Hund?
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