9. September 2023 / Aus aller Welt

Fast zwei Drittel aller Korallenriffe weltweit überfischt

Forschende haben mit neuen Daten zu den Korallenriffen weltweit ermittelt, wie es um deren Fischbestände steht. Das Ergebnis: Fast zwei Drittel werden überfischt. Doch die Experten äußern auch Hoffnung.

Millionen von Menschen in den Tropen sind in der Korallenrifffischerei aktiv, vor allem in Indonesien.

Fast zwei Drittel aller Korallenriffe weltweit werden derzeit überfischt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, an der das Bremer Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) mitgewirkt hat. Unter Leitung von Jessica Zamborain-Mason von der Harvard University werteten die Experten Daten zu Fischbeobachtungen in mehr als 2000 Riffen weltweit aus, wie das ZMT mitteilte.

«An fast zwei Dritteln der Standorte wird mehr gefischt als die Bestände an Biomasse nachproduzieren können – sie werden also überfischt», fasst Sebastian Ferse vom ZMT das Ergebnis der Studie zusammen, die in der Fachzeitschrift «Nature Communications» publiziert wurde. Die Fischbestände in nahezu jedem zehnten befischten Riff seien bereits zusammengebrochen. Sie wiesen weniger als zehn Prozent der Biomasse auf, die das Riff hätte, wenn dort kein Fisch gefangen würde.

Lange keine belastbaren Daten

Die Studie ermöglicht den Angaben zufolge erstmals einen Einblick in den weltweiten Zustand der Fischerei in Riffen. Der Fang in diesen Gebieten werde meist informell gehandelt oder selbst konsumiert, daher hätten belastbare Daten bislang nicht vorgelegen. Die Forschenden zählten für die Studie unter Wasser entlang festgelegter Bereiche Fische und bestimmten die Arten. Daten zum lokalen Fischfang wurden anhand von nationalen Statistiken rekonstruiert. 

Geschätzt seien weltweit rund sechs Millionen Menschen in der Rifffischerei tätig. Der Anteil des Fangs aus Riffen an der gesamten Meeresfischerei sei in vielen Regionen groß: Im Nahen und Mittleren Osten betrage er 43 Prozent, in der Karibik 40 Prozent. 

Ferse plädierte für ein besseres Fischereimanagement vor Ort und eine reduzierte Fischerei auf 80 Prozent des maximal möglichen Ertrages. Dies würde zu einer deutlichen Entspannung bei den Beständen führen. «Es ist nicht nötig, Fischerei aus dem Riff zu verbannen, um das Ökosystem zu retten», betonte er. Die Untersuchung habe auch die Bedeutung einzelner Umweltfaktoren gezeigt: Bei Standorten mit höherer Wassertemperatur und geringerer Korallenbedeckung sei der maximale nachhaltig zu erzielende Fischertrag deutlich geringer.


Bildnachweis: © Sebastian Ferse/Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Lagerverkauf-Finale: Berkemeier in Beckum räumt die Lagerhallen
Lokales

Vier Wochen bleiben noch für Möbel-Schnäppchen.

weiterlesen...
Polizei ermittelt nach Fund eines toten Säuglings in Beckum
Polizeimeldung

Jeder Hinweis kann auf Wunsch diskret behandelt werden.

weiterlesen...
Neue Details zum Fund des toten Säuglings in Beckum
Polizeimeldung

Diesmal geht es auch um Gegenstände!

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Was vier Riesenspiegel auf der Insel La Palma suchen
Aus aller Welt

Ein Fehlalarm bei der Suche nach verbotenen Atomtests führte Wissenschaftler zu einem Signal aus dem All. Auf La Palma fangen nun vier riesige Spiegel ein schwaches blaues Leuchten ein. Was verrät es?

weiterlesen...
Neue Therapie gegen tödliche Krebsform – Was bringt sie?
Aus aller Welt

Ein neues Medikament verlängert laut einer Studie das Leben von Menschen mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs, verspricht aber keine Heilung. Nun ist die Zulassung in Europa ein Stück näher.

weiterlesen...
Brustkrebs-Früherkennung schon ab 45 Jahren
Aus aller Welt

Bisher können rund 14,5 Millionen Frauen im Alter von 50 bis 75 Jahren am Brustkrebs-Screening teilnehmen - künftig sollen es mehr werden.

weiterlesen...