10. Juli 2023 / Aus aller Welt

Extreme Hitze im Nordatlantik - Extremwetter in Europa

Zwei Extreme beunruhigen die Wissenschaft: Rekordtemperaturen im Nordatlantik und Rekordschrumpfen der Meereisausdehnung in der Antarktis.

Ein Blitz entlädt sich während eines Gewitters hinter dem Fernmeldeturm Telemax.

In Europa drohen Experten zufolge wegen der hohen Wassertemperaturen im Nordatlantik verstärkt Extremwetterereignisse. Der Nordatlantik sei einer der wichtigsten Treiber extremer Wetterlagen, sowohl in Europa als auch an der Ostküste Nordamerikas, erklärte der Chef der Klimabeobachtung bei der Weltwetterorganisation (WMO), Omar Baddour, in Genf. Mit solch hohen, teils extremen Temperaturen steige die Gefahr von Starkregen-Ereignissen und Hurrikans.

Die Oberflächentemperaturen im Nordatlantik lagen den WMO-Daten zufolge im Juni 0,9 Grad über dem langjährigen Durchschnitt, im Nordosten (etwa von Irland bis Nordspanien) sogar 1,36 Grad. Vor Irland gab es im Juni Hitzewellen im Meer mit bis zu fünf Grad höheren Temperaturen als im Durchschnitt vergangener Jahre, ehe die Temperatur wieder zurückging.

Die hohe Ozeantemperatur und der dramatische Rückgang der Meereis-Ausdehnung in der Antarktis seien zutiefst beunruhigend, sagte Michael Sparrow, Leiter der Klimaforschung bei der WMO.

Temperaturen wohl nicht wegen El Niño

Zwar sei bekannt, dass die Pazifiktemperatur mit dem Wetterphänomen El Niño steigt, das sich zur Zeit wieder aufbaut. Klar sei auch, dass dies gewisse Auswirkungen auf andere Meere hat, weil die Ozeane alle verbunden sind. «Aber die extremen Temperaturen im Nordatlantik im Moment scheinen nicht mit dem El Niño in Verbindung zu stehen, nicht direkt», sagte er. «Wir versuchen noch zu verstehen, warum wir eine solche extreme Erwärmung im Nordatlantik erleben.»

Die Meereis-Ausdehnung in der Antarktis lag den Angaben zufolge im Juni so niedrig wie nie zuvor in diesem Monat seit Beginn der Satellitenüberwachung Ende der 70er Jahre. Sie lag im Juni 17 Prozent unter dem langfristigen Mittel. Die Wissenschaft beschäftige sich mit der Frage, ob Kipppunkte erreicht werden, sagte Sparrow. Kipppunkte sind nach der Definition des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung «kritische Schwellenwerte, bei deren Überschreiten es zu starken und teils unaufhaltsamen und unumkehrbaren Veränderungen kommt».

Entwicklung in der Arktis sehr neu

Ein solcher Punkt wäre der plötzliche Zusammenbruch des Westantarktischen Eisschilds, sagte Sparrow. Wenn das Eis schmilzt, ist mit einem meterhohen Anstieg des Meeresspiegels zu rechnen. Das würde Millionen Menschen gefährden, die in Küstennähe leben.

«Dies ist offensichtlich etwas, das die Wissenschaftler beunruhigt, aber wir haben zur Zeit keine Beweise, um zu sagen, dass wir irgendeinen Kipppunkt erreichen», sagte Sparrow. Die Entwicklung in der Antarktis sei sehr neu. «Wir wollen keine Vermutungen anstellen, ohne alle Beweise zur Hand zu haben, was einige Zeit dauern kann.»


Bildnachweis: © Julian Stratenschulte/dpa
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