28. Januar 2026 / Aus aller Welt

Experte: Winter trotz des Schnees deutlich zu trocken

Viel Schnee, aber trotzdem Trockenheit. Der Winter ist in Deutschland aus Expertensicht problematisch gestartet. Vor allem im Dezember fehlte Niederschlag. Das könnte auch Folgen für den Sommer haben.

Trotz Schneefall war vor allem der Dezember nach Experteneinschätzung bislang zu trocken in Deutschland. (Symbolbild)

Trotz mehrfacher kräftiger Schneefälle ist der Winter in Deutschland aus Expertensicht bislang deutlich zu trocken – mit möglichen Folgen für den Sommer. «Mit Dürre verbindet man immer trocken und heiß, deswegen wird Dürre im Winter kaum wahrgenommen», sagte der Hydrologe Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig der Deutschen Presse-Agentur. Marx leitet den Deutschen Dürremonitor, eine täglich aktualisierte Deutschlandkarte mit Daten und Modellrechnungen zum Bodenfeuchtezustand. Die Böden seien im Winter zwar grundsätzlich deutlich feuchter als im Sommer – trotzdem seien sie derzeit «wesentlich trockener als normal».

Für die Bewertung des Wasserhaushalts blicken Fachleute auf das sogenannte hydrologische Winterhalbjahr von November bis April. Demnach sei der November vor allem in der Mitte Deutschlands und der Dezember dann in ganz Deutschland zu trocken gewesen, sagte Marx. Er lag dem Experten zufolge etwa bei 40 Prozent des normalen Niederschlags. Ausgenommen davon sind der äußerste Norden und Regionen im Süden Deutschlands. Dort sei es «eher normal» gewesen - teils sogar etwas nasser als üblich. Insgesamt habe der bisherige Winter aber dazu geführt, dass die Grundwasserstände «flächig» in Deutschland «den Punkt erst jetzt erreicht haben, an dem sie wieder steigen» und damit «deutlich verzögert». 

Gefrorene Böden hindern Wasser am Versickern

Daran ändern nach Einschätzung des Hydrologen auch die aktuellen Schneefälle nur begrenzt etwas. Sie können sogar dazu führen, dass Wasser ungenutzt abfließe. Der Boden sei durch starken Frost vor dem Schneefall teils gefroren gewesen: Wenn dann darauf Schnee falle und es später irgendwann von oben her wärmer werde und taue, «dann hat man diese Situation, dass der gefrorene Boden das Wasser nicht aufnehmen kann». Das führe dazu, dass mehr Wasser als normalerweise auf der Oberfläche abfließe und beispielsweise in den Flüssen lande. Deutlich besser für das Grundwasser sei da das eher unbeliebte Schmuddelwetter: «Lieber zwei bis acht Grad mit leichtem Regen, ein bisschen Schnee fürs Skifahren in den Mittelgebirgen und in den Alpen, das wäre eigentlich ganz wunderbar», so Marx.

Akute Schäden durch Trockenheit erwartet der Experte im Winter nicht. Sorgen bereite eher der Blick nach vorn: «Man kann sagen, dass der Winter jetzt für die Grundwassersituation ungünstig gestartet ist.» Wie sich die Lage entwickle, hänge aber stark von den kommenden Monaten ab: «Februar, März, April können kühl und nass werden – da kann sich das Grundwasser in drei Monaten deutlich erholen.» Im Winter 2023/24 etwa hätten drei Monate gereicht, um die Grundwasserstände in Nordwestdeutschland auf historische Höchststände zu bringen - verbunden mit teils großflächigen Überschwemmungen. Entscheidend sei zudem, ob in diesem Jahr erneut ein trockener und heißer Sommer folge – vor allem Wälder könnten dann weiter geschädigt werden.


Bildnachweis: © Julian Stratenschulte/dpa
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