Derzeit leben laut Schätzungen der Vereinten Nationen (UN) rund 8,3 Milliarden Menschen auf der Erde - und es werden weiterhin mehr. Doch die Menschheit steuert auf einen Wendepunkt zu: Mitte der 2080er Jahre wird die Weltbevölkerung nach derzeitiger UN-Prognose mit rund 10,3 Milliarden Menschen ihren Höchststand erreichen. Deutschland wächst schon jetzt nicht mehr: Die Bevölkerungszahl sank zum Jahresende 2025 auf 83,5 Millionen Menschen. Das waren laut Statistischem Bundesamt 0,1 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Nettozuwanderung kann demnach das Geburtendefizit nicht ausgleichen. Die mittlere Zahl der Kinder pro Frau sei in den vergangenen Jahrzehnten auch weltweit deutlich zurückgegangen: von vier Kindern Mitte der 1970er Jahre auf derzeit etwa 2,2, erklärt Frank Swiaczny vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). Derzeit nehme die Weltbevölkerung trotzdem weiter zu, weil geburtenstarke Jahrgänge das Alter erreichten, in dem Frauen Kinder bekommen. Sobald die Anzahl potenzieller Mütter durch das sinkende Geburtenniveau zurückgehe, sinke mittelfristig auch die Zahl der Geburten. Einfluss habe derzeit auch noch die weiterhin verbreitet steigende Lebenserwartung, sagt Swiaczny. «Immer mehr Menschen erreichen heute aufgrund besserer Lebensbedingungen und medizinischer Versorgung ein höheres Alter.» Gegenwärtig verlaufe die Bevölkerungsentwicklung regional sehr unterschiedlich, so Swiaczny. Während Bevölkerungen vor allem in Afrika südlich der Sahara noch wachsen, sinken die Zahlen in vielen wohlhabenden Ländern in Europa, Nordamerika und Ostasien oder werden voraussichtlich bald schrumpfen. In 63 Ländern und Gebieten wie Japan, Russland und China ist die Bevölkerung nach UN-Angaben bereits geschrumpft. China könnte demnach bis zum Ende des Jahrhunderts sogar mehr als die Hälfte seiner heutigen Einwohnerzahl einbüßen. Demgegenüber stünden 126 Länder vor allem in Afrika südlich der Sahara und Teilen Asiens, die wohl bis mindestens 2054 weiter wachsen werden. In einigen dieser Staaten wie der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria und Somalia werde sich die Einwohnerzahl zwischen 2024 und 2054 voraussichtlich sogar verdoppeln. Welche Folgen haben die Entwicklungen? In schrumpfenden und zugleich alternden Gesellschaften sinkt laut UN das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentnern massiv. Dies setzt - wie in Deutschland - Renten- und Gesundheitssysteme unter erheblichen finanziellen Druck. Investitionen in Bildung und Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung - etwa durch Automatisierung und den Einsatz Künstlicher Intelligenz - sowie eine selektive Zuwanderung könnten Swiaczny zufolge dazu beitragen, den Arbeitskräftemangel teilweise auszugleichen. Anders sieht es in Ländern aus, deren Bevölkerung derzeit noch schnell wächst. Dort leben relativ wenige ältere Menschen und sehr viele jüngere. Erreichen diese das Erwerbsalter, eröffne sich die Chance für eine «demografische Dividende». «Eine große Erwerbsbevölkerung bei noch niedrigen Sozialausgaben kann die Voraussetzung für höhere Investitionen und wirtschaftliches Wachstum fördern.» Unter optimalen Bedingungen gehen Experten davon aus, dass die Erde die prognostizierten 10,3 Milliarden Menschen ernähren kann. Unter den derzeitigen Bedingungen sei dies nicht der Fall. Entscheidend für die Tragfähigkeit des Planeten seien nicht allein die Bevölkerungszahlen, sondern vor allem die Produktions- und Konsumbedingungen, erläutert Swiaczny. «So sind global betrachtet die Menschen mit dem zehn Prozent höchsten Wohlstand für rund die Hälfte des Ressourcenverbrauchs verantwortlich.» Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung verbrauche weniger als zehn Prozent. Das Population Reference Bureau (PRB) in Washington hat die Zahl aller Menschen abgeschätzt, die jemals gelebt haben. Demnach gab es seit Entstehung des modernen Menschen vor etwa 50.000 Jahren schätzungsweise 117 Milliarden Menschen auf der Erde. Daraus ergibt sich: Die Menschen, die heute auf der Erde leben, machen einen beachtlichen Teil - gut 7 Prozent - aller Menschen aus, die jemals geboren wurden.Welche gegenläufigen Entwicklungen gibt es?
Wie tragfähig ist die Erde überhaupt?
Wie viele Menschen haben jemals gelebt?
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