14. Mai 2026 / Aus aller Welt

Definitiv keine Daten: Schicksal des Wals bleibt unklar

Sehnsüchtig hatten Walfans gewartet, doch ausgerechnet vom Aussetzen des Tiers gab es keine Aufnahmen und danach auch keine Ortsdaten. Was mit dem Wal geschah, wird wohl ungewiss bleiben.

Tierschutzorganisationen hatten die Überlebenschancen des Wals als sehr gering eingeschätzt.

Auch knapp zwei Wochen nach dem Aussetzen des mehrfach an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwals gibt es keine Daten dazu, wo das Tier ist und ob es überhaupt noch lebt. Der GPS-Sender liefere weiterhin keinerlei Signale zur Ortung, hieß es von der Privatinitiative zum Transport des Wals. Es gebe überhaupt keine Daten mehr.

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltministerium liegen weiterhin keinerlei Informationen vor, wie eine Sprecherin mitteilte. «Wir haben nach wie vor keine Daten vorliegen oder Informationen, ob mit diesen noch zu rechnen ist», hieß es. «Unsere Juristen prüfen rechtliche Schritte.» Sie gehe davon aus, dass das Ministerium kommende Woche über sein weiteres Vorgehen entscheidet, erklärte die Sprecherin. Das Ministerium hatte bereits vergangene Woche mögliche rechtliche Schritte ins Spiel gebracht. Demnach war mit der Initiative vorab die Übermittlung von Peildaten vereinbart worden.

Vor dem Freisetzen des Buckelwals am 2. Mai soll nach Angaben der Initiative ein GPS-Sender an der Rückenfinne angebracht worden sein, der stetig Ortsdaten liefern sollte. Ob dies tatsächlich erfolgte, ließ sich nicht durch unabhängige Quellen verifizieren.

Ein auf Grund liegender Wal schickt keine Daten

Wenn ein Wal zu schwach ist, um sich an der Oberfläche zu halten, Richtung Grund sinkt und ertrinkt, liefert ein GPS-Sender keine Daten: Die Werte werden von über die Region fliegenden Satelliten üblicherweise nur dann erfasst, wenn sich das jeweilige Tier einige Zeit an der Wasseroberfläche aufhält.

An die Oberfläche treiben und damit sichtbar werden würde der Kadaver trotz der beim Verwesen entstehenden Gase nicht, weil der Wasserdruck das in tieferen Gewässern verhindert. Nur wenn das Tier vor dem Tod noch in Küstennähe schwamm, könnte es dort angespült werden.

Der Bulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen. Mit einem Lastkahn wurde er von der Insel Poel aus in die Nordsee gebracht.

Letzte Chance: eine Foto-ID

Fotos oder Videos vom Freisetzen existieren nach Aussage der Initiative nicht. Unklar blieb auch, in welchem Zustand das geschwächte und vom Hin und Her im Kahn verletzte Tier zu diesem Zeitpunkt war. Nach Einschätzung unter anderem von Whale and Dolphin Conservation (WDC) und Internationaler Walfangkommission (IWC) hatte der Wal kaum langfristige Überlebenschancen.

Eine letzte Chance auf eine erneute Ortung könnte es noch geben: Nach Angaben der Initiative wurde ein Foto von der Fluke - der großen Schwanzflosse des Tieres - gemacht, das als Foto-ID in entsprechende Datenbanken einfließen soll. Auch für diese Information gab es allerdings keine Bestätigung durch unabhängige Quellen.

Neben einem Foto von der Fluken-Unterseite können der Tierschutzorganisation WDC zufolge auch auffällige Merkmale wie ein Narbenmuster auf der Haut zur Wiedererkennung eines Wals dienen. Der Poeler Wal gehöre zur Population der nordatlantischen Buckelwale. «Jedes Forschungsteam, das mit dieser Population arbeitet, fotografiert die Individuen», hieß es. Über die Jahre seien tausende ID-Fotos zusammengetragen worden.

Künftig könnte der Wal in seinen nördlichen Nahrungsgründen, südlichen Paarungsgebieten oder während seiner Wanderungen dazwischen über eine solche Foto-ID wiederentdeckt werden - sofern er noch leben sollte und diese ID von der Initiative tatsächlich angelegt wurde.


Bildnachweis: © Jens Büttner/dpa
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