23. April 2023 / Aus aller Welt

Braunbär im Wandergebiet: «Schock hat sich gelegt»

Auf einer Alm in Oberbayern riss ein Braunbär kürzlich Schafe. Ausflügler besuchen die Gegend am Wochenende trotzdem - manche allerdings mit gewissem Unbehagen.

Ein Braunbär in seinem Gehege im bayerischen Wildpark Poing.

Wo vor wenigen Tagen ein Braunbär Schafe gerissen hat, waren am Wochenende zahlreiche Ausflügler unterwegs. «Der Schock hat sich gelegt», sagte Simone Braun, Wirtin des Berggasthofs «Bichlersee» in der Gemeinde Oberaudorf. Auf der Terrasse ihres Gasthofs waren am Samstag die meisten Tische belegt. Radfahrer und Wanderer gönnten sich bei schönstem Frühlingswetter eine Pause.

Auf einer nahe gelegenen Weide hatte der Bär zwei Schafe gerissen und ein drittes verletzt, das daraufhin getötet werden musste. «Am Tag nach dem Vorfall war Riesenaufregung, aber am nächsten Tag war auch wieder alles in Ordnung», so Braun.

«Respekt habe ich schon, aber keine Angst», sagte Thomas Breitenauer, der zum Wandern in der oberbayerischen Gemeinde an der Grenze zu Tirol unterwegs war. Besondere Vorsichtsmaßnahmen hätten er und seine Begleitung nicht ergriffen. «Wenn man weiß, es ist eine Bärengegend, dann ja. Aber wegen einem Bären werde ich jetzt kein Bären-Spray einpacken».

Tiere meist scheu

Ein gewisses Unbehagen blieb bei manchen aber doch. Viele wissen von der Bärenattacke im italienischen Trentino, wo eine Bärin Anfang April einen Jogger tötete. «Wir waren auf dem Weg zu einer Höhle, und da haben wir uns schon überlegt, ob das so eine gute Idee ist», sagte eine Wanderin. Eine andere meinte: «Wir haben bei uns im Gasthof gefragt, ob man hier angesichts der Situation bedenkenlos wandern gehen kann, vor allem mit Kindern.» Ihnen sei aber versichert worden, das sei «gar kein Problem, der Bär ist bestimmt schon weg.»

Bekannt ist zudem: Der in Bayern umherstreifende Bär verhält sich Menschen gegenüber nach bisherigen Kenntnissen scheu. Weitestgehend unbesorgt erkundeten viele Ausflügler am Wochenende die oberbayerische Landschaft. Den Tagesgästen sei das «mehr oder weniger egal», sagte Braun. «Da sind eventuell sogar ein paar Schaulustige dabei, die sagen, jetzt schauen wir mal, wo der Bär so steppt».

Bei den Langzeiturlaubern, die im Gasthof Wanderurlaub machen wollen, seien die Sorgen mitunter schon größer. «Da haben wir schon einige Anrufer gehabt, die gefragt haben: Wie ist die Situation? Ist es gefährlich? Können wir wandern?», erzählte Braun. «Das wird sich erst noch rausstellen, ob das auch negative Auswirkungen auf den Tourismus hat.»


Bildnachweis: © Lino Mirgeler/dpa
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