11. Juni 2023 / Aus aller Welt

Bis zu 1,6 Milliarden Jahre: Spuren frühen Lebens entdeckt

Forschende haben bisher unbekanntes Leben entdeckt, das schon vor mehr als einer Milliarde Jahre existierte. Demnach vollzog sich vor langer Zeit auf der Erde eine fundamentale ökologische Umwälzung.

Nicht Tier, nicht Pflanze wie wir sie heute kennen: Die künstlerische Darstellung einer Ansammlung ursprünglicher eukaryotischer Organismen der «Protosterol Biota», die eine mikrobielle...

Vor etwa einer Milliarde Jahren tummelte sich eine Gruppe bislang unbekannter einzelliger Lebewesen in großer Zahl auf der Erde. Das schreibt ein internationales Forschungsteam mit deutscher Beteiligung im Fachblatt «Nature».

Die Forscherinnen und Forscher wiesen in bis zu 1,64 Milliarden Jahre altem Gestein Spuren von bestimmten Molekülen nach. Diese sogenannten Protosteroide oder Ur-Fette sollen von frühen Formen der Eukaryonten stammen. Eukaryonten sind Lebewesen mit komplexer Zellstruktur und Zellkern - dazu zählen neben etlichen Einzellern alle Tiere, Pflanzen und Algen, nicht aber Bakterien.

Moderne Eukaryonten produzieren gewöhnlich fettartige Strukturen, sogenannte Sterole, zu denen etwa bei Menschen und vielen Tieren auch Cholesterol zählt. Daher konzentrierten sich Forscher bislang bei der Suche nach frühen Eukaryonten auf den Nachweis dieser Stoffe. Allerdings reichen solche Belege nur etwa 800 Millionen Jahre zurück, obwohl es ältere Eukaryonten gibt. Daraus wurde gefolgert, dass Eukaryonten vorher möglicherweise selten waren.

Welt mit weniger Sauerstoff

Dem widerspricht das Forschungsteam, darunter Benjamin Nettersheim vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen und Christian Hallmann vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam. Sie fanden in verschiedenen Erdregionen Hinweise auf Protosteroide in Gestein, das bis zu 1,64 Milliarden Jahre alt ist. Die Funde deuten darauf hin, dass diese bisher unbekannten Ur-Eukaryonten zu jener Zeit reichlich im Wasser vorhanden waren.

Ihr Zellaufbau und wohl auch ihr Stoffwechsel waren demnach an eine Welt angepasst, die damals weit weniger Sauerstoff in der Atmosphäre aufwies als heute. Wie diese Organismen ausgesehen haben könnten, ist allerdings unklar - denn die Ur-Eukaryonten verschwanden bis vor etwa 800 Millionen Jahren, während die modernen Eukaryonten auftauchten. Dies sei «einer der tiefgreifendsten ökologischen Wendepunkte in der Geschichte unseres Planeten» gewesen, sagt Nettersheim.


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